Wirbel oder Haarausfall? – Wenn sich das Haar lichtet

Optisch sind sie häufig kaum zu unterscheiden – ein Haarwirbel und eine beginnende Alopezie, umgangssprachlich als Haarausfall bezeichnet. Obwohl sich die Unterschiede nach einer gewissen Zeitspanne offenbaren, bringt nur der Gang zum Dermatologen endgültige Klarheit. Denn hier lässt sich gegebenenfalls nicht nur der Haarausfall bestimmen, sondern auch, welche Art der Alopezie vorliegt.

Wirbel am Hinterkopf

Was ist eigentlich ein Wirbel?

Bei Haarwirbeln handelt es sich um natürliche Scheitelpunkte, die jeder Mensch auf dem Kopf trägt. An der Stelle eines Wirbels wachsen die Haare kreisförmig aus der Kopfhaut heraus. Das sorgt dafür, dass sich unser Haar in eine bestimmte Form legt und einen natürlichen Scheitel bildet, anstatt buchstäblich kreuz und quer auf unserem Kopf zu wachsen. Haarwirbel sind keine zufällige Laune der Natur, sondern Bestandteil unseres genetischen Bauplans. Ihre Anzahl und Wuchsrichtung liegt also in unseren Genen, ebenso wie ein erblich bedingter Haarausfall, die androgenetische Alopezie.

Woran unterscheide ich Wirbel und Haarausfall?

In ihrem Anfangsstadium ist eine Alopezie optisch nicht von einem natürlichen Haarwirbel zu unterscheiden. Deshalb herrscht bei vielen Unsicherheit, wenn sich eine lichte Stelle am Kopf zeigt. Nur zwei Faktoren können endgültige Klarheit bringen – die Zeit und die Untersuchung durch einen Dermatologen. Während der Haarwirbel unverändert bleibt, schreitet der Haarausfall auch optisch weiter voran, wird also mit der Zeit klar erkennbar. Trotzdem sollten sie nicht abwarten, sondern gleich einen Dermatologen aufsuchen. Hier lässt sich ermitteln, ob ein natürlicher oder krankhafter Haarverlust vorliegt. Für Letzteren gilt als Faustregel, dass Sie über einen längeren Zeitraum hinweg mehr als hundert Haare täglich einbüßen. Dieser Wert gilt für Erwachsene, bei Kindern ziehen Dermatologen etwa 50 bis 80 Haare täglich als Richtwert heran.

Doch auch, wenn die Diagnose eines krankhaften Haarausfalls erst einmal erschreckend wirkt, muss sie je nach vorliegender Art nicht endgültig sein. Lassen Sie daher immer abklären, ob ein Haarausfall vorliegt, beziehungsweise um welche Form der Alopezie es sich handelt. Eine genaue Diagnose legt auch immer den Grundstein für eine mögliche Therapie.

Welche Haarausfallarten kennzeichnen sich durch einen Wirbel beziehungsweise wirbelähnliche Lücken?

Verwechslungsgefahr zwischen einem Haarwirbel und beginnendem Haarausfall besteht bei der androgenetischen Alopezie, dem erblich bedingten Haarausfall. Denn dieser offenbart sich durch einen am Scheitel einsetzenden Haarausfall oder auch sich lichtendes Haar am Hinterkopf. Andere Formen der Alopezie lassen sich üblicherweise optisch eindeutig von Haarwirbeln abgrenzen.

  • kreisrunder Haarausfall, Alopecia areata:
    Innerhalb eines kurzen Zeitraums fallen Ihnen büschelweise Haare aus, was die für diesen Haarausfall charakteristischen kreisrunden kahlen Stellen hervorruft.
  • diffuser Haarausfall, diffuse Alopezie, Telogeneffluvium:
    Hier kommt es zu einem über den ganzen Kopf verteilten Haarausfall, wodurch die Kopfhaut vermehrt sichtbar wird.
  • narbiger Haarausfall, vernarbende Alopezie, Alopecia cicatricalis:
    An den Stellen, an denen das Haar ausfällt, zeigen sich rötlich geränderte Narben, Pusteln, Schuppen oder auch blasse Flecken.

Diagnose Haarausfall: Vorübergehend oder endgültig?

Die aufgeführten Arten der Alopezie sind bei Männern und Frauen unterschiedlich vertreten. Zudem liegen je nach Form des Haarausfalls unterschiedliche Ursachen zugrunde. So äußert sich beispielsweise eine vernarbende Alopezie als Folge einer von Viren, Bakterien oder Pilzen verursachten Entzündungsreaktion. Ob sich eine Form des Haarausfalls als endgültig erweist, hängt jedoch von einem zentralen Faktor ab. Sterben Haarwurzeln ganz ab, dann bleibt die betroffene Stelle auch kahl. Dem liegen wiederum verschiedene Ursachen zugrunde.

Die nachhaltige Schädigung der Haarwurzeln

Die Gemeinsamkeit bei allen Formen des Haarausfalls liegt darin, dass sie den natürlichen Wachstumszyklus der Haare stören. Dieser besteht aus drei Phasen:

  1. Wachstumsphase (Anagenphase): Diese dauert zwischen zwei und sechs Jahren.
  2. Übergangsphase (Katagenphase): Sie hält drei Wochen an.
  3. Ruhephase (Telogenphase): Diese Phase verläuft innerhalb von zwei bis drei Monaten.

Endet die Ruhephase, kommt es zu einem natürlichen Haarausfall. Die Haarwurzel bleibt weiterhin in der Lage, ein neues Haar nachwachsen zu lassen. Bei einer Alopezie beeinflussen die zugrunde liegenden Ursachen das Haarwachstum in der Wachstumsphase (anagenes Effluvium) oder in der Ruhephase (telogenes Effluvium). In beiden Fällen kommt es dann zu einem über einen längeren Zeitraum stattfindenden unnatürlichen Haarverlust.

Die Störungen der Wachstumsphasen und der Haarverlust lassen sich je nach Art der Alopezie auf verschiedene Ursachen zurückführen. Handelt es sich beispielsweise um eine androgenetische Alopezie, wird das Absterben der Haarwurzeln durch das männliche Hormon Dihydrotestosteron (DHT) beeinflusst. Liegt eine Sensibilität gegen dieses Hormon vor, sind die Haarwurzeln nicht mehr in der Lage, kräftige und gesunde Haare auszubilden. Dies verursacht letztlich den Haarausfall, da die Haarwurzeln mit der Zeit absterben. Um eine androgenetische Alopezie auszubremsen, kommt es daher darauf an, inwieweit sich der Einfluss dieses Hormons verhindern lässt.

Bei dem kreisrunden Haarausfall, der Alopecia areata, liegt eine Autoimmunkrankheit vor. In deren Folge greift der Körper die Haarwurzeln an. Diffuser Haarausfall lässt sich hingegen auf unterschiedliche körperliche Funktionsstörungen, wie beispielsweise eine Schilddrüsenfehlfunktion oder auch die Einnahme bestimmter Medikamente zurückführen. Bei vernarbender Alopezie lässt sich die Entzündung, die den Haarausfall verursacht, gezielt behandeln. Allerdings ist bei dieser Form der Haarverlust leider irreversibel, also dauerhaft.

Bei jeder Form der Alopezie hängt die Therapie immer von der genauen Ursache ab. Eine präzise Diagnose ist daher unerlässlich, um gezielt gegen voranschreitenden Haarausfall vorzugehen. Daher ist auch jede Therapie ein Individualfall.

 

 


Quellen:

  • https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/alopezie
  • https://www.stern.de/gesundheit/haut/erkrankungen/haarausfall–ursachen-fuer-schuetteres-haar-und-was-dagegen-hilft-3755540.html
  • https://www.apotheken-umschau.de/Haarausfall/Haarausfall-Spezielle-Formen-und-Ursachen-18896_5.html
  • https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/erkrankungen-der-haut/erkrankungen-der-haare/alopezie
  • https://www.msdmanuals.com/de/heim/hauterkrankungen/erkrankungen-der-haarfollikel/alopezie-haarausfall
  • https://flexikon.doccheck.com/de/Alopezie
  • https://www.alopezie.de/
  • https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-072007/haarausfall-ist-nicht-gleich-haarausfall/
  • https://docschaart.de/blog/2011/die-haeufigsten-haarprobleme-und-ihre-loesungen
  • https://www.aponet.de/wissen/arzneimitteldatenbank/suchergebnis/medizinische-informationen/haarausfall_68_155.html