Haarausfall ist für Betroffene häufig nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern auch eine psychische Belastung. Besonders, wenn er sich auf herkömmliche Weise durch die Einnahme von Medikamenten nicht in den Griff bekommen lässt. Immer mehr Menschen entscheiden sich deshalb dazu, sich einer Haartransplantation zu unterziehen. Mit dem mittlerweile gut erprobten Verfahren lassen sich kahle Stellen auf dem Kopf und sogar am Bart mit Eigenhaar schließen. Das vorübergehende Ergebnis ist oft direkt nach der OP sichtbar und die Freude über das neue Haar groß. Entsprechend schockierend ist es für viele Patienten, wenn es einige Tage nach der Haartransplantation erneut zum Haarausfall kommt.

Warum kommt es nach der Haartransplantation zum Haarausfall?

Bei einer Haarverpflanzung entnimmt der Arzt von einer Stelle mit gesundem Haarwuchs (meist vom Hinterkopf) einzelne Haarfollikel (auch Grafts genannt). Diese setzt er anschließend in zuvor gestanzte Löcher an den kahlen Stellen. Hier sollen die gesunden Haarfollikel anwachsen und künftig wieder für dichten Haarwuchs sorgen. Während der Entnahme kommt es an dem Transplantat jedoch zwangsläufig zu einer kurzzeitigen Unterbrechung der Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr. Das führt dazu, dass die Haarfollikel zwar gesund anwachsen, aber vorübergehend in eine Art Ruhephase eintreten, in der sie ihre Arbeit einstellen. In der Folge wächst das transplantierte Haar nicht weiter und fällt nach einiger Zeit (meist innerhalb von zwei Wochen nach der OP) aus. Dieser erneute Haarausfall ist aber normal nach einer Haartransplantation und tritt bei etwa 90 Prozent aller Patienten auf.

Lichtes Haar auf dem Kopf eines Mannes

Zu einem Haarverlust kann es auch rund um die Stellen kommen, an denen der Chirurg die Haarfollikel entnommen hat. Dieses Phänomen nennt sich „Shock Loss“ oder „Schockverlust“ und tritt unter anderem bei großflächigen Haartransplantationen auf, bei denen der Arzt mehrere Tausend Grafts auf einmal entnimmt. In der Regel handelt es sich aber auch hier nur um einen vorübergehenden Haarausfall, der sich selbst reguliert. Je nach Ausmaß kann die Erholungsphase jedoch mehrere Monate dauern und eine zusätzliche Behandlung notwendig machen. Durch schonendes Vorgehen kann der Arzt die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Shock Loss verringern. Wichtig ist hier in erster Linie die Wahl eines erfahrenen Chirurgen. Dieser sollte – wenn möglich – auf Roboter und andere technische Hilfsmittel zur Entnahme der Grafts zu verzichten. Auf diese Weise lassen sich großflächige Traumen der empfindlichen Kopfhaut besser vermeiden.

Wann wachsen die Haare nach dem Haarausfall nach?

Ist es nach der Haartransplantation zum Haarausfall gekommen, sollten Sie etwas Geduld haben. Die Haarfollikel befinden sich jetzt in einer natürlichen Regenerationsphase, die je nach Patient unterschiedlich lange dauern kann. Bei den meisten Menschen setzt das Haarwachstum nach drei bis fünf Monaten wieder ein. Zu Beginn sind die Haare noch dünn, gewinnen mit der Zeit aber immer mehr an Kraft und werden dicker und dichter. Auch das Längenwachstum der transplantierten Haare kann sich unterscheiden. Während einige Haare bereits mehrere Zentimeter lang sind, sind andere erst wenige Millimeter gewachsen. Auch das ist normal und lässt sich vom Friseur durch einen Haarschnitt ausgleichen. Wichtig ist jedoch, dass Sie Ihre Haare im ersten halben Jahr nach dem Eingriff nicht mit einer Maschine rasieren und den Haarfollikeln die Zeit geben, die sie brauchen.

Wann sind die Haare nach einer Haartransplantation fest und voll?

Wenn der erste Schreck des erneuten Haarausfalls überstanden ist und die Haare nachgewachsen sind, braucht es noch etwas Geduld bis zum endgültigen Ergebnis. Wie schnell sich dieses zeigt, hängt davon ab, ob Sie ein sogenannter „Fast Grower“ oder „Slow Grower“ sind, ihr Haar also eher schnell oder langsam wächst. Bei Menschen mit schnellem Haarwuchs ist das Kopfhaar meist schon nach einem Jahr voll. Bei Slow Growern kann es bis zu 18 oder 20 Monate dauern, bis sich ein gleichmäßig dichter Haarwuchs zeigt.

Lässt sich Haarausfall nach einer Haartransplantation verhindern?

Der normale Haarverlust, der einige Wochen nach der Haarverpflanzung auftrifft, lässt sich nicht verhindern. Sie können jedoch das Einwachsen der Haarfollikel und die Wundheilung unterstützen und damit den Weg für ein gesundes Haarwachstum ebnen. Dazu sollten Sie in den ersten Wochen und Monaten nach der Haartransplantation

  • keinen Alkohol zu sich nehmen
  • möglichst körperliche Anstrengung und Sport vermeiden
  • auf Besuche in Sauna, Schwimmbad und Solarium verzichten
  • am Kopf auf einen guten Sonnenschutz achten (Kappe oder Hut)
  • auf chemische Mittel wie Gel, Schaum, Haarspray und Haarfarben verzichten
  • Ihre Haare nach dem Duschen oder Waschen an der Luft trocknen lassen

Ganz wichtig ist, dass sie dem Juckreiz in den ersten Tagen und Wochen nach der Transplantation widerstehen und nicht kratzen. Kratzen kann es Entzündungen verursachen und die transplantierten Haarfollikel schädigen. Spätestens nach vier bis sechs Monaten sind die neuen Haare eingeheilt und die Kopfhaut wird zunehmend unempfindlich. Danach besteht kein Risiko mehr und Sie können Ihre Haare behandeln wie vor der Operation.

Quellen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/
https://onlinelibrary.wiley.com/
https://www.healthline.com/