Cuticula

Der Begriff „Cuticula“ kommt aus der lateinischen Sprache und bedeutet Haut oder Häutchen. Die Bezeichnung wird heute in Zoologie und Botanik, Mykologie (Pilzkunde), Biologie und Medizin für sehr viele Häute genutzt: Den wachsartigen Überzug auf Pflanzenblättern, die äußere Körperdecke (das Exoskelett) von wirbellosen Häutungstieren, die oberste Hautschicht des Pilz-Fruchtkörpers, die feine Oberhaut an der Oberfläche von Vogeleiern und noch viele andere Häute.

In Biologie und Medizin wird der Begriff Cuticula mitunter allgemein als Synonym für die äußere Haut-Schicht Epidermis genutzt. Augenärzte nennen die äußerste Oberfläche der Capsula lentis (Kapsel der Augenlinse) Cuticula; Zahnärzte bezeichnen das Schmelzoberhäutchen auf dem Zahnschmelz und manchmal auch den gesamten Zahnschmelz als Cuticula dentis.

Dermatologen und Produzenten von Haut- und Haarpflegeprodukten verwenden den Begriff Cuticula in zweifacher Bedeutung: Die Cuticula bezeichnet zunächst das auf den Nägeln aufliegende Nagelhäutchen der Säugetiere bzw. des Menschen. Die Cuticula, um die es hier geht, wird meist präziser als Haarcuticula (Haarkutikula) benannt (kann aber in einer Situation, in der es klar um Haare geht, auch ohne Vorsatz gebraucht werden).

Die Haarcuticula ist die äußerste Rindenschicht des Haares, die über innerem Haarmark (Medulla) und der Rinde (Cortex) genannten Haar-Faserschicht die abschließende dritte Haar-Schicht bildet. Obwohl der lateinische Begriff für Häute heute als Sammelbezeichnung für verschiedenste Oberflächenstrukturen genutzt wird (die sich in Ursprung, chemischer Zusammensetzung und Struktur unterscheiden können), stellt für Fachleute schon die Bezeichnung klar, worum es hier geht: Die angesprochene Haut ist immer aus organischem (nicht-mineralischen) Material und immer sowohl zäh als auch flexibel, weil sie einen Teil eines Organismus schützen soll.

So auch bei der Haarcuticula: Diese äußere Rindenschicht der Haare ist eigentlich eine Schuppenschicht – sie besteht tatsächlich aus flachen Hornschuppen, die wie Fischschuppen zur Schwanzspitze in Richtung Haarspitze übereinander liegen. Diese Schicht ist nur dazu da, das Haar vor physikalischen Einflüssen wie UV-Licht und vor negativer Beeinflussung durch chemische Stoffe zu schützen. Obwohl die Haarcuticula nur 4-5 Mikrometer dick ist, besteht sie aus 6 bis10 Zelllagen, die ihren Zweck bestens erfüllen – solange das Haar nur den natürlichen Einflüssen ausgesetzt ist, gegen die die Haarcuticula in einer langen Zeit der Evolution entwickelt wurde.

Heute kommt das Haar durch Umwelt-Schadstoffe, Haarwaschmittel, Styling-Produkte und vielleicht auch Chlorwasser, Solarienlicht, Dauerwellflüssigkeit, Haarfarben mit einer Fülle von Chemikalien in Kontakt, denen die Haarcuticula nicht immer gewachsen ist: Die einzelnen Zelllagen bestehen aus Horn (wasserunlöslichen Keratin-Faserproteinen) und Eiweißbausteinen, die äußeren Lagen werden sogar noch durch den sehr robusten Eiweißbaustein Cystein verstärkt.

In den gerade genannten Produkten können sich etliche Chemikalien befinden, die den Molekül-Verbund von Keratin und Cystein angreifen können. Je häufiger sie mit dem Haar in Kontakt kommen, desto mehr Moleküle gehen verloren, die Struktur der Haarcuticula wird immer weiter aufgebrochen und kann dann auch ihre Funktion immer schlechter erfüllen. Diese Schädigung wird sichtbar, wenn das Haar stumpf und glanzlos erscheint. Es ist dann auch tatsächlich aufgeraut und weist sogar Wasser nicht mehr ab, weshalb sich die Strukturschädigung leicht überprüfen lässt: Wenn eine abgeschnittene Haarsträhne in Wasser untergeht, ist die Haarcuticula porös.

Solange nur die Haarcuticula geschädigt ist, können diese Schäden keinen Haarausfall verursachen, weil diese äußere Schicht aus abgestorbenen Zellen aufgebaut wird. Fortlaufende, eng aufeinander folgende (chemische, UV-) Belastungen können das Haar jedoch bis in die innere Haarrinde hinein schädigen und dann auch zu Haarverlust führen. Zum Beispiel durch Abbrechen der Haare; in Extremfällen auch zur Schädigung der Haarwurzel, weil die Haarcuticula an der Haarwurzel mit der Cuticula der inneren Haarwurzelscheiden verzahnt ist. Die Pflege stumpfer Haare mit Produkten, die die Haarcuticula wieder versiegeln, bringt den Haaren deshalb nicht nur ihren Glanz zurück, sondern schützt auch vor verfrühtem Verlust von Haaren.

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