Haarausfall – welche Rolle spielt die Schilddrüse?

Werden die Haare dünner, brechen ab oder fallen aus, ist das für die meisten der davon Betroffenen eine große Belastung. Das gilt zwar besonders für Frauen, doch auch Männer leiden darunter. Auch wenn in vielen Fällen der Haarausfall genetisch bedingt ist, gibt es auch andere Ursachen für den Haarausfall. Welche Rolle eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse für den Haarausfall spielen kann, lesen Sie im folgenden Beitrag.

Rund einhundert Haare verliert jeder Mensch täglich

Täglich verliert jeder Mensch rund einhundert Haare: Sie verfangen sich in der Haarbürste, liegen auf dem Kopfkissen oder verstopfen den Siphon der Dusche. Dieser Haarverlust ist normal. Wird ein Haar alt, stirbt es ab und fällt aus. Dafür wächst ein neues Haar aus dem Haarfollikel nach. Jede zehnte Frau und jeder dritte Mann verliert allerdings deutlich mehr Haare und leidet damit unter einem massiven Haarausfall. Ursache hierfür kann eine Fehlfunktion der Schilddrüse sein. Arbeitet diese nicht richtig, können Haut und Haare darunter leiden. Das gilt für die Überfunktion der Schilddrüse, aber auch für eine Unterfunktion. Vom reibungslosen Funktionieren des relativ kleinen Organs hängen nicht nur Körpertemperatur, Kreislauf und Herz ab, sondern auch Haut, Nägel und Haare. Ob tatsächlich die Schilddrüse zu viele oder zu wenige Hormone produziert, kann nur mit Hilfe der Blutwerte ermittelt werden. Hierfür ist die Konsultation eines Arztes und dessen genaue Diagnose unabdingbar.

Die Überfunktion der Schilddrüse

Unterhalb des Kehlkopfes schmiegt sich die Schilddrüse an die Luftröhre und verwandelt Eiweiß und Jod in wichtige Hormone, mit denen Kreislauf, Stoffwechsel und das psychische Wohlbefinden gesteuert wird. Stellt die Schilddrüse zu viele Hormone her, sprechen die Ärzte von einer Überfunktion oder Hyperthyreose. Diese kann mit Herzrasen, Herzrhythmus-Störungen, Hitzewallungen, hohem Blutdruck, aber auch brennenden oder geschwollenen Augen einhergehen: Der Körper fährt gewissermaßen auf Hochtouren. Als weitere Nebenwirkung einer solchen Schilddrüsenüberfunktion werden die Haare dünner, feiner und fallen schneller aus. Das liegt daran, dass sie sehr viel früher in die Ruhephase kommen und daher auch nicht mehr so lang wie zuvor wachsen können.

Die Unterfunktion der Schilddrüse

Produziert die Schilddrüse dagegen weniger Hormone als der Körper braucht, liegt eine Unterfunktion, auch Hypothyreose genannt, vor. Während der Stoffwechsel bei einer Überfunktion auf Hochtouren läuft, funktioniert er bei der Schilddrüsenunterfunktion nur noch wie in Zeitlupe. Da durch die von der Schilddrüse produzierten Hormone viele Funktionen beeinflusst werden, sind die Symptome einer Unterfunktion vielfältig. Sie reichen von Gewichtszunahme über Probleme mit dem Gedächtnis, Müdigkeit, trockene Haut bis hin zu Haarausfall. Da die Schilddrüse nicht genügend Hormone produziert, werden die Dichte und der Durchmesser der Haare geringer, sie wirken trocken, stumpf, matt und werden brüchig.

Haarausfall durch Medikamente gegen Fehlfunktionen der Schilddrüse

Gegen Über- und Unterfunktion der Schilddrüse müssen in der Regel Medikamente eingenommen werden. Diese greifen in den gesamten Stoffwechsel der Schilddrüse ein und können ebenfalls Haarausfall verursachen. Dazu gehören Lithium, Jodide, Thyreostatika und viele andere Medikamente. In der Regel gilt: Wird die Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse mit den entsprechenden Medikamenten behandelt, verbessert sich im Lauf der Zeit auch die Haarstruktur wieder und der Haarausfall geht zurück. Es ist ratsam, dass Sie besonders bei einem plötzlich auftretenden Haarausfall einen Arzt aufsuchen und die Symptome entsprechend abklären lassen. Das gilt besonders dann, wenn noch weitere Symptome auf eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse hinweisen können.

Vorbeugen ist nur schwer möglich

Während die Menschen früher der Meinung waren, dass die Schilddrüse lediglich mit genügend Jod versorgt werden müsste, wissen es die Ärzte heute besser. Eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse lässt sich nicht vorbeugen. Oft ist selbst eine Heilung kaum möglich. Je nachdem, welche Ursache die Fehlfunktion hat, lässt sich die Krankheit mit Hilfe einer Strahlentherapie oder mit Medikamenten behandeln. In schwerwiegenden Fällen kann sogar die Entfernung der Schilddrüse hilfreich sein. Wenn Sie an einer Unterfunktion, einer Hypothyreose leiden, werden die fehlenden Hormone durch Medikamente ersetzt. Diese müssen zwar dann für den Rest des Lebens eingenommen werden, erlauben aber ein so gut wie normales Leben.

Oft sind Infektionen der Auslöser

Heutzutage werden viele Lebensmittel mit Jod angereichert. Dank dieser Jodversorgung sind die Menschen hierzulande vor einer Schilddrüsenüberfunktion geschützt, die durch Jodmangel verursacht wird. Bildet die Schilddrüse zu viele Hormone und liegt eine Überfunktion vor, ist häufig die Krankheit Morbus Basedow die Ursache. Diese kann vererbt werden, wird jedoch auch durch Virusinfektionen verursacht. Auch für die Unterfunktion der Schilddrüse kann eine Entzündung verantwortlich sein.

Lieber die Diagnose vom Arzt stellen lassen

Arbeitet die Schilddrüse nicht richtig, können nicht nur die Haare ausfallen, sondern es können viele komplexe Vorgänge des Körpers gestört werden. Die Schilddrüse steuert das Herz-Kreislauf-System, sorgt dafür, dass der Stoffwechsel richtig abläuft und der Körper seine Betriebstemperatur von rund 37 Grad Celsius einhält. Daher sollten Sie dringend den Arzt aufsuchen, wenn Sie unter Haarausfall leiden. Dieser stellt mit Hilfe einer Blutuntersuchung fest, ob Sie an einer Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse leiden.