Leber: Haarausfall als Warnzeichen

Zu den häufigsten Ursachen von Haarausfall gehören hormonelle Unregelmäßigkeiten und die nicht ausreichende Versorgung des Organismus mit Nährstoffen. Sind Abläufe im Körper gestört, zeigt sich dies über kurz oder lang beim Haarwuchs. Die Haare werden stumpf und brüchig, ein verstärkter Haarausfall ist die nächste Stufe. Damit Stoffwechselvorgänge im Körper ordnungsgemäß ablaufen können, ist jedoch die ausreichende Funktion der Organe, insbesondere der Leber, Voraussetzung.

Wie hängen Leber und Haarausfall zusammen?

Die Leber ist eines unserer sensibelsten Organe. Gerät ihre Funktion aus dem Gleichgewicht, hat dies Auswirkungen auf eine Vielzahl anderer Abläufe in unserem Körper. Ihre Hauptaufgabe ist es nämlich, Stoffe, die während des Verdauungsprozesses durch den Darm in die Blutbahn gelangen, weiterzuverarbeiten. Je nachdem, um welche Stoffe es sich dabei handelt, werden sie in der Leber direkt verwertet, umgewandelt, gespeichert oder abgebaut.

Dies gilt auch für schädliche Stoffe wie Gifte aller Art. Der Bau von Eiweißen zum Transport von Hormonen ist ebenfalls Aufgabe der Leber. Wird die Leber durch Entzündungen und Krankheitsbildern wie Fettleber oder einer Leberzirrhose in ihrer Funktion eingeschränkt, sind weitere Fehlfunktionen im Körper nur eine logische Folge. Dies trifft ebenso auf den Aufbau von Haar und Haarwurzel zu, da zum einen die notwendigen Mineralien wie Zink nicht mehr aus der Nahrung in den Blutkreislauf gelangen, zum anderen wichtige Hormone im wahrsten Sinn des Wortes auf der Strecke bleiben.

Giftzentrum Leber: Haarausfall durch Gifte

Umweltgifte gelangen immer häufiger in den Ruf, auch für Haarausfall verantwortlich zu sein. Einen direkten, konkreten Zusammenhang in Form von Haaranalysen konnte die Wissenschaft jedoch bislang nicht herstellen. Dennoch schließen die Forscher nicht aus, dass ein diffuser Haarausfall im Zusammenhang mit Umweltgiften stehen kann. Manchen Patienten fallen zwar die Haare nicht verstärkt aus, die Neubildung lässt jedoch auf sich warten oder die Haarzyklen werden nicht mehr – oder nicht mehr komplett – durchlaufen. Dies hat zur Folge, dass eine Form der Alopezie entsteht.

Diese Art des Haarausfalls entsteht auch durch Erkrankungen innerer Organe wie der Schilddrüse und insbesondere der Leber. Auch Medikamenteneinnahme, strenge einseitige Diäten und die Einlagerung von Schwermetallen im Körper können zu diesem Haarverlust führen.

Leber und Hormone: Einfluss auf den Haarwuchs

Erkrankungen der Leber ziehen in vielen Fällen Störungen der Schilddrüse nach sich. Schilddrüsenhormone wiederum haben einen unmittelbaren Einfluss auf die Haarproduktion und die Qualität der Haare. Herrscht eine Schilddrüsenüberfunktion, werden die Haare immer feiner und brüchiger. Auch die normale Länge wird kaum noch erreicht, schließlich lichtet sich der Haarwuchs, Die Unterfunktion der Schilddrüse bringt ebenfalls Veränderungen in der Haarstruktur und Dichte mit sich. Das einzelne Haar wird matt, stumpf und bricht schnell ab.

Ferner kommt es durch Lebererkrankungen zu Veränderungen im Sexualhormonstoffwechsel. Diese negativen Veränderungen wirken sich sowohl bei Männern durch eine mögliche Feminisierung als auch bei Frauen durch einen zu niedrigen Östrogen- und Gonadotropin-Releasing-Hormon-Spiegel und Amenorrhoe aus. Diffuser Haarverlust ist eine der Begleiterscheinungen. Sexualhormone wiederum haben Einfluss auf die Leberfunktion und können durch ein Ungleichgewicht dazu beitragen, dass Leberschäden und sogar Lebertumore entstehen.

Diffuser Haarausfall: Leberfunktionsstörungen als Auslöser

Als Hochleistungsorgan ist unsere Leber besonders anfällig. Die Fachärzte Dr. Santen und Dr. Engelbach vom Deutschen Endokrinologischen Versorgungszentrum in Frankfurt sehen eine Fettstoffwechselstörung und schwere Leberfunktionsstörungen durchaus als Ursache für diffusen Haarausfall an:

„Der sogenannte Diffuse Haarausfall kann aus unterschiedlichsten Gründen auftreten, z.B. […] aufgrund von Stoffwechselstörungen (latenter oder manifester Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, schwere Leberfunktionsstörungen)“

Dr. med. Reinhard Santen & Dr. med. Martin Engelbach, Fachärzt für Innere Medizin – Endokrinologe, Osteologe DVO – Diabetologe DDG
(
Quelle: https://www.endokrinologen.de/diffuser-haarausfall.php)

Entgegen landläufiger Meinung hängen Lebererkrankungen keineswegs immer mit allzu heftigem Alkoholgenuss zusammen, auch wenn dieser sicher eine der häufigsten Ursachen für Funktionsstörungen darstellt. Die verschiedenen Formen der Leberentzündungen – Hepatitis – werden durch unterschiedliche Auslöser wie Gifte, Medikamente, Autoimmunerkrankungen oder Viren hervorgerufen. Sogar ein vermeintlich gesundes Leben kann der Leber schaden, nämlich dann, wenn die Leber durch erhöhten Genuss von Fruchtzucker diesen nicht mehr umwandeln kann. Ein Zuviel an Fructose wird in Fett umgewandelt, eine Fettleber kann die Folge sein.

Noch auffallender hängen Haarausfall und Lebererkrankungen wie Leberkrebs und Leberzirrhose zusammen. Hier überwiegen jedoch weitere Symptome, sodass der vermehrte Haarverlust lediglich ein Anzeichen ist. Wichtig ist aber gerade im Hinblick auf Lebererkrankungen immer, dass ein länger andauernder diffuser Haarausfall ärztlich abgeklärt wird. Eine Blutuntersuchung liefert den zuverlässigen Hinweis darauf, ob die Leber ursächlich für den Haarverlust ist.

Leberkrankung: Was tun gegen Haarverlust?

Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Haarausfall durch eine Störung der Leberfunktion verursacht wird, gilt der erste Schritt dem Gang zum Arzt. Erst muss die Ursache geklärt werden, ohne Diagnose keine Behandlung.

Steht die Leber als Auslöser einwandfrei fest, ist es an Ihrem Arzt, das weitere Vorgehen festzulegen. Wird die Leber behandelt und gesundet wieder, stehen die Aussichten gut, auch erfolgreich im Kampf gegen den Haarausfall zu sein. Etwas Geduld müssen Sie allerdings mitbringen, denn wie nach jeder Erkrankung und jeder hormonellen Veränderung im Körper braucht es mehrere Monate, bis alle Haare wieder einen gesunden, vollständigen Zyklus durchlaufen. Auch eine anfängliche Verschlechterung mit noch mehr Haarausfall ist nach einer Lebererkrankung nichts Außergewöhnliches.

Haarausfall und Leber: Mittel auf eigene Faust

Bei Verdacht auf Lebererkrankungen sollten Sie nicht ohne ärztlichen Ratschlag Mittel zu sich nehmen, die einen gesunden Haarwuchs fördern könnten. Bei sämtlichen Präparaten, auch pflanzlichen, ist es angebracht, die Einnahme mit dem Arzt zu besprechen. Der Anwendung von sanften Pflegepräparaten, die durchblutend auf die Kopfhaut wirken und so den Haarwuchs unterstützen können, steht in der Regel jedoch nichts im Wege.

Eine gesunde, vielseitige und leberfreundliche Ernährung mit genügend natürlichen Bitterstoffen zur Anregung der Lebertätigkeit und wenig Fett kann sich ebenfalls positiv auf Ihre gesamte Konstitution und somit auch den Haarwuchs auswirken.

 


Quellen:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/17686/Haarausfall-und-Umwelteinfluesse
https://www.aerzteblatt.de/archiv/5427/Leber-und-Darm%C2%ADer%C2%ADkrank%C2%ADungen-An-Zinkmangel-wird-selten-gedacht
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/inhalt-03-2005/titel-03-2005/
https://www.springermedizin.de/hormonstoerungen-bei-lebererkrankungen/15036344
https://www.endokrinologen.de/diffuser-haarausfall.php