Zuerst die gute Nachricht: Hinter vermehrtem Haarausfall im Frühjahr steckt in den meisten Fällen keine ernstere Ursache. Einige ganz natürlich Faktoren tragen dazu bei, dass zu Beginn der wärmeren Jahreszeit Haare ausgehen. Vielfach können wir selbst etwas dazu beitragen, dass sich der Haarverlust im Rahmen hält und die Haartracht bald wieder voll und gesund ist.

1: Der Fellwechsel – der Haarausfall im Frühling

Dieser saisonal bedingte, auffällig gesteigerte Haarverlust zählt zu den Formen des telogenen Effluviums. Die Haarzellen treten frühzeitig in die telogene Phase – die Ruhephase – ein. Das kann unterschiedliche Gründe haben:

  • mechanische Haarbelastung
  • saisonale Stoffwechselumstellung
  • Krankheiten
  • Ernährung

Mit etwas Ursachenforschung kommt man in diesen Fällen dem Haarausfall im Frühling auf die Spur. Mediziner nennen ihn sogar scherzhaft Fellwechsel, denn auch bei Tieren kennt man zu dieser Jahreszeit den radikalen Umbruch des Haarkleides. Verschiedene Wissenschaftler konnten in ihren Arbeiten dieses Phänomen feststellen. So auch das Team um Shashikant Malkud am ESIC Medical College in Kalaburagi, Indien. Neben einem saisonal bedingten Haarausfall im Spätherbst verzeichneten sie einen auffälligen Haarausfall im Frühjahr.

2: Haarbelastung im Winter – Folge Haarausfall

Der Winter ist für die Haare keine gute Jahreszeit: Wind und Kälte, trockene Heizungsluft und das Tragen von Kopfbedeckungen wirken sich mitunter negativ aus. Das Haarwachstum wird eingestellt, die telogene Phase nimmt ihren Lauf. Zwei bis drei Monate später fallen Haare vermehrt aus.

3: Mehr Tageslicht – mehr Haarausfall

Es klingt fast schon abenteuerlich, aber auch das zunehmende Tageslicht im Frühjahr kann zu einem auffälligen Haarverlust beitragen. Dem Licht kommt dabei aber eine sekundäre Rolle zu. Werden die Tage länger, stellt der menschliche Organismus die Hormonproduktion um. Steigende Temperaturen sorgen dafür, dass auch die Gefäße wieder besser durchblutet werden. Neue Haare drängen nach, die sich seit Wochen oder Monaten in der Ruhe befindlichen Haare fallen aus.

Junge Frau liegt auf der Wiese
© Silviarita / Pixabay

4: Krank im Winter – Haarausfall im Frühjahr

Oft sind sie im Frühjahr schon wieder vergessen, die Krankheiten, die uns im Winter plagten. Bereits eine heftige Erkältung kann den Körper so sehr stressen, dass als Folge der Kreislauf der Haarproduktion gestört wird. Erst recht ist dies der Fall, wenn uns eine echte Grippe erwischt hatte.

Es müssen aber nicht unbedingt eine Virusinfektion und Fieber die Ursache sein. Auch der Bänderriss beim Skifahren, der Sturz auf Glatteis können so viel psychischen Stress bedeuten, dass zwei bis drei Monate später die Rechnung in Form von Haarausfall auf uns zukommt.

Selbst Emotionen bringen mitunter den natürlichen Ablauf des Haarzyklus durcheinander. Das Wiedersehen mit der Familie an Weihnachten, aber auch der Zwist an den Feiertagen kosten uns zwar nur sprichwörtlich das letzte Haar. Einen verstärkten Haarausfall im Frühjahr können diese – positiven wie negativen – Belastungen jedoch durchaus nach sich ziehen.

5: Früher Pollenflug – Auswirkungen auf die Haare

Mildere Winter führen dazu, dass die ersten Haselnusspollen in vielen Gegenden schon ab Dezember fliegen. Andere Frühblüher wie Erlen und Palmweiden setzen ebenfalls zeitig mit der Blüte ein. Eine Pollenallergie schwächt den Körper insgesamt, so dass auch die Haare in Mitleidenschaft gezogen werden. Dazu kommt, dass der sinnvolle Rat, sich jeden Abend die Haare zu waschen, zwar gegen die Pollenallergie hilft, jedoch die Haare strapaziert. Milde Pflegemittel sind in dieser Zeit besonders wichtig.

6: Die Ernährung – Von Feiertagssünden bis Diäten

Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Menschen aufgrund der schlechteren Nahrungsversorgung im Winter an Mangelerscheinungen litten. Frische Kost mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen gibt es rund ums Jahr zu kaufen. Kleine Ernährungssünden wie einseitige Diäten können ebenfalls zu einem verstärkten Haarausfall im Frühjahr beitragen.

Feiertagssünden – So leiden die Haare

Viel zu viel von einer nicht optimalen Ernährung kann schnell zur Gewohnheit werden. Die süßen Plätzchen in der Adventszeit, der fette Braten an den Feiertagen und zu Silvester reichlich Alkohol. Einmalige Ausrutscher haben vermutlich kaum Auswirkungen auf den Haarwuchs. Alkohol und Zucker sind jedoch Vitaminräuber. Wer es sich zulange „gut gehen“ lässt, erreicht vielleicht genau das Gegenteil.

Neujahrsvorsätze – Haarprobleme inbegriffen

Ab Januar wird Diät gemacht! Wer ein paar Kilo verlieren möchte oder gar vorhat, bessere Ernährungsgewohnheiten in seinem Leben zu etablieren, ist damit sicher gut beraten. Bei einseitigen Ernährungsformen und strenger Kalorienreduktion ist allerdings die ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen nicht unbedingt gewährleistet. Ein ausgewogener, nicht zu sehr einschränkender Ernährungsplan mit viel frischem Obst und Gemüse kann dem späteren Haarausfall vorbeugen.

Hält im Frühjahr der vermehrte Haarausfall jedoch länger als ein paar Wochen an, so sollte genau abgeklärt werden, ob nicht eine andere Ursache dahinterstecken kann. Anlaufstelle für ein erstes ärztliches Gespräch ist der Hausarzt, der Sie bei Bedarf an den Facharzt überweist.

Quellen:
https://www.health.harvard.edu/a_to_z/telogen-effluvium-a-to-z
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4606321/
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2015/daz-22-2015/ein-haariges-problem
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-072007/haarausfall-ist-nicht-gleich-haarausfall/