Jod ist für den menschlichen Körper lebenswichtig. Ohne das Spurenelement kann die Schilddrüse keine Schilddrüsenhormone produzieren, die an zahlreichen Körperfunktionen und der Entwicklung sowie dem Wachstum von Organen beteiligt sind. Da der Körper Jod nicht selbst herstellen kann und auch seine Speicherkapazitäten begrenzt sind, ist eine konstante Zufuhr über die Nahrung notwendig. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist das kein Problem. Erhält er jedoch auf Dauer zu wenig Jod, kann das zu einem Mangel führen, der sich auf die Schilddrüse auswirkt. Die Folge ist eine Vergrößerung des Organs und eine Unterfunktion (Hypothyreose). Diese kann zu einem Kropf und weiteren Symptomen führen. Eines davon ist Haarausfall.

Salzstreuer

Wie kommt es zu einem Jodmangel?

Deutschland besitzt wie ein Großteil Europas sehr jodarme Böden. Das heißt, dass sich in Anbau- und Ackerflächen nur geringe Mengen des Spurenelements finden und in Lebensmitteln landen. Eine ausreichende Jod-Zufuhr lässt sich damit allein nicht sicherstellen. Um einem daraus resultierenden Jodmangel vorzubeugen, gibt es in Deutschland seit einigen Jahrzehnten mit Jod angereichertes Speisesalz. Dieses stellt – sofern es von Verbrauchern genutzt wird – zumindest eine Grundversorgung mit dem unverzichtbaren Spurenelement sicher. Für eine ausreichende Versorgung ist darüber hinaus ein konstanter Verzehr jodhaltiger Lebensmittel wie Eier, Milch und Meeresfisch notwendig. Da jedoch nicht jeder Mensch diese täglich auf seinem Speiseplan hat, gibt es in Deutschland nach wie vor zahlreiche Menschen, die unter einem leichten bis starken Jodmangel leiden.

Wie hängen Jodmangel und Haarausfall zusammen?

Auf Dauer führt eine zu geringe Jod-Zufuhr zu einer krankhaften Veränderung der Schilddrüse. Diese zeigt sich häufig zuerst in einer Vergrößerung, die schlimmstenfalls in einer Schilddrüsenunterfunktion gipfelt. Unterfunktion heißt in diesem Fall, dass das schmetterlingsförmige Organ aufgrund des permanenten Jodmangels nicht die Menge an Schilddrüsenhormonen (insbesondere Thyreotropin (TSH), Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4)) produzieren kann, die der Körper für seine Stoffwechselprozesse braucht.

Die Auswirkungen dieser Unterfunktion zeigen sich in unterschiedlichen Bereichen des Körpers. Eine davon sind die Haare, deren Wachstum sich durch den anhaltenden Hormonmangel verlangsamt und schließlich ganz zum Erliegen kommt. Eine weitere Auswirkung des Jodmangels ist, dass die Haare zunehmend brüchig und trocken werden. In Kombination mit dem natürlichen Haarausfall, den jeder Mensch hat, führt dies auf Dauer zu einer spürbaren Abnahme der Haardichte und kahlen Stellen.

Wie erkenne ich Haarausfall aufgrund von Jodmangel?

Für Laien ist nicht erkennbar, welche Ursache für einen Haarausfall verantwortlich ist. Für eine zuverlässige Diagnose ist ein Arztbesuch zwingend notwendig. Dieser führt bei Verdacht auf einen Jodmangel in der Regel zunächst eine Blutuntersuchung durch, bei der er die Konzentration der Schilddrüsenhormone TSH, T3 und T4 bestimmt. Liegt eine Unterfunktion vor, sind die Hormone T3 und T4 erniedrigt, während das TSH erhöht ist. Meist schließen sich weitere Untersuchung wie eine genauere Betrachtung der Schilddrüse mittels Sonografie und/oder Szintigrafie an. Lässt sich dabei eine Schilddrüsenunterfunktion feststellen, erfolgt in der Regel die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen in Tablettenform.

Wichtig: Bei der Frage, ob der Jodmangel und/oder die Unterfunktion tatsächlich für den Haarausfall verantwortlich ist, gilt es, auch weitere mögliche Auslöser auszuschließen. Dazu zählen zum Beispiel entzündliche Prozesse der Kopfhaut, andere Mangelerscheinungen oder genetische Faktoren.

Wie kann ich Haarausfall durch Jodmangel vorbeugen?

Am effektivsten lässt sich einem Jodmangel und seinen Folgen mit einer ausgewogenen Ernährung vorbeugen. Diese sollte möglichst jodreiche Lebensmittel enthalten. Ein zentraler Baustein ist das Verwenden von jodiertem Speisesalz bei der täglichen Zubereitung von Speisen. Ebenfalls reich an dem Spurenelement sind Algen, Eier und Milchprodukte, Meeresfisch (besonders Kabeljau und Schellfisch) sowie Brokkoli und Champignons. Auch Fleisch bietet sich an, da Tieren in der EU vorwiegend jodhaltiges Futter gegeben wird. Diese Lebensmittel sollten möglichst regelmäßig auf Ihrem Speiseplan stehen.

Bei Fertigprodukten aus dem Tiefkühlregal können Sie gezielt darauf achten, dass diese mit jodiertem Speisesalz hergestellt wurden. Vor einer Jod-Überdosierung müssen Sie übrigens selbst bei reichhaltigem Verzehr dieser Lebensmittel keine Sorge haben. Lediglich bei jodhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln sollten Sie vorsichtig sein und vor der Einnahme einen Arzt zu Rate ziehen. Sie können bei falscher Anwendung zu gesundheitlichen Problemen führen. Auf keinen Fall sollten Sie Jodtabletten zu sich nehmen, die ausschließlich für radioaktive Unfälle bestimmt sind.

Wie viel Jod brauche ich pro Tag?

Der Bedarf an Jod hängt vom Alter ab. Entsprechend unterschiedlich ist auch die Grenze, ab der es zu einem Jodmangel und negativen Auswirkungen wie Haarausfall kommt. Die nachfolgende Liste enthält die derzeit geltenden Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V.:

  • Säuglinge bis 4 und bis 12 Monate: 40 bzw. 80 µg Jod / Tag
  • Kinder ab 1 bis 10 Jahre: 100 bis 140 µg Jod / Tag
  • Kinder ab 10 bis 15 Jahre: 180 bis 200 µg Jod / Tag
  • Jugendliche ab 15 bis 25 Jahre: 200 µg Jod / Tag
  • Erwachsene ab 25 bis 51 Jahre: 200 µg Jod / Tag
  • Erwachsene ab 51: 180 µg Jod / Tag

Einen besonders hohen Bedarf an Jod haben Schwangere und stillende Mütter, da sie praktisch zwei Schilddrüsen versorgen müssen. Deshalb kommt es während und nach der Schwangerschaft auch gehäuft zu Mangelerscheinungen wie Haarausfall. Für Schwangere empfiehlt die DGE derzeit 230 µg Jod / Tag, für Stillende 260 µg Jod / Tag.

Doch wie viel Jod enthalten Lebensmittel überhaupt? Die besonders jodreichen Fische Kabeljau und Scholle enthalten zum Beispiel 50 bis 200 µg Jod pro 100 Gramm, Eier und Milchprodukte etwa 10 µg pro 100 Gramm und Brokkoli etwa 15 µg pro 100 Gramm. Jodiertes Salz ist mit einem Gehalt von 2.000 µg pro 100 Gramm am jodreichsten, sollte aber wie jedes Salz nur sparsam eingesetzt werden.

Quellen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/
https://www.internisten-im-netz.de/
https://www.dge.de/
https://jodmangel.de/