Haarausfall durch Essstörung: Wie Magersucht und Bullimie zu Haarverlust führen

Haarausfall ist ein weitverbreitetes Phänomen, das verschiedenste Ursachen haben kann. Was viele nicht wissen: Auch Essstörungen können dazu führen, dass die Haare dünner werden und schließlich ganz ausfallen. Nachfolgend erfahren Sie, wo die Zusammenhänge zwischen Essstörungen und Haarausfall liegen und wie sich Haarausfall, der durch eine Essstörung verursacht wurde, effektiv bekämpfen lässt.

Brot wird abgemessen
Essstörung: Was ist das eigentlich?

Bei einer Essstörung handelt es sich um eine spezielle Form der Verhaltensstörung, die in der Regel durch emotionalen Stress ausgelöst wird. Die häufigsten Essstörungen sind die Bulimie (Ess-Brech-Sucht) und die Anorexie (Magersucht). Während Patienten mit Bulimie große Mengen an Nahrung zu sich nehmen und anschließend ein Erbrechen herbeiführen, ist Anorexie von einer stark eingeschränkten Nahrungsaufnahme geprägt. Betroffene nehmen so wenig Nahrung auf, dass das Gewicht deutlich unter das Normalgewicht sinkt. Essstörungen wirken sich auf vielfältige Weise auf die Gesundheit aus – zum Beispiel in Form von Depressionen, trockener Haut und Verdauungsstörungen. Darüber hinaus können Bulimie und Magersucht auch zu Haarausfall führen.

Anorexie (Magersucht), Bulimie und Haarausfall: Wie hängt das zusammen?

Haarausfall kommt vor allem bei Personen mit Magersucht häufig vor, da hier die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen dauerhaft ungenügend ist. Patienten mit Ess-Brech-Sucht sind ebenfalls gefährdet – insbesondere dann, wenn sie mehr Nahrung erbrechen, als sie bei sich behalten. Hält der Nahrungsmangel über einen längeren Zeitraum an, folgt unweigerlich ein Nährstoffmangel. Vor allem viele Vitamine, Eisen und Zink sind für ein gesundes Haarwachstum unerlässlich. Fehlen sie, werden die Haare zunächst dünner und neigen zu Haarbruch. Später fallen sie schließlich ganz aus.

Typischer Verlauf von Haarausfall infolge einer Essstörung

Um zu verstehen, wie eine Essstörung zu Haarausfall führt, hilft es, sich den Wachstumszyklus der Haare genauer anzusehen. Dieser besteht aus drei Phasen:

  • Wachstumsphase (Anagenphase)
  • Übergangsphase (Katagenphase)
  • Ruhephase (Telogenphase)

Zu jedem Zeitpunkt befindet sich ein Großteil unserer Haare, ungefähr 80 Prozent, in der Wachstumsphase, die insgesamt zwei bis sechs Jahre andauert. Dabei gilt: Je länger die Wachstumsphase ist, umso länger werden die Haare, bevor sie schließlich ausfallen. Zwei Prozent der Haare befinden sich in der Katagenphase, die lediglich zwei bis drei Wochen andauert und in der die Haare nicht mehr mit Nährstoffen versorgt werden. Darauf folgt die zwei- bis viermonatige Ruhephase. Die Haare fallen aus, die Haarfollikel regenerieren sich und ein neuer Wachstumszyklus beginnt.

Bei anhaltendem Nährstoffmangel verkürzt sich die Wachstumsphase, was zur Folge hat, dass die Haare verfrüht in die Ruhephase übergehen. Die Haare fallen aus, während neue Haare nicht schnell genug nachwachsen können. Eine Essstörung geht typischerweise mit diffusem Haarausfall einher, der die gesamte Kopfhaut betrifft. Bei einigen Betroffenen fallen die Haare jedoch nicht gleichmäßig auf dem gesamten Kopf, sondern stellenweise aus, sodass kahle Bereiche entstehen.

Wie wird Haarausfall, der durch eine Essstörung bedingt ist, diagnostiziert?

Haarausfall ist ein Symptom, das auf viele verschiedene Erkrankungen hindeuten kann. Die Diagnose gestaltet sich daher oftmals schwierig – insbesondere dann, wenn die Betroffenen sich selbst nicht bewusst sind, dass sie eine Essstörung haben. Für den Arzt ist eine Essstörung auch nur dann offensichtlich, wenn der Patient bereits auffallend dünn ist. Vor allem Patienten mit Bulimie haben jedoch oftmals Normalgewicht und sind zudem nicht bereit, das absichtlich herbeigeführte Erbrechen gegenüber ihrem Arzt anzusprechen. Bevor der Arzt eine Diagnose stellen und eine geeignete Therapie einleiten kann, muss er also zahlreiche Tests machen und eingehende Gespräche mit seinem Patienten führen. Auch Fragebögen, die das individuelle Essverhalten betreffen, werden inzwischen von vielen Medizinern eingesetzt, um Essstörungen zu erkennen und Folgeerscheinungen wie den Haarausfall zielgerichtet zu behandeln.

Was hilft gegen Haarverlust bei einer Essstörung?

Haarausfall, der durch eine Essstörung entstanden ist, kann nur indirekt bekämpft werden – nämlich, indem die Ursache behandelt wird. Dies geschieht in der Regel durch eine ambulante, teilstationäre oder stationäre Psychotherapie. Die Gesprächstherapie nimmt hierbei einen besonders großen Stellenwert ein: Der Patient ermittelt gemeinsam mit dem Arzt im Gespräch die Ursachen für die Essstörung und erlernt neue Verhaltensweisen, vor allem ein gesundes Essverhalten.

Um das Haarwachstum zu fördern, kann es sinnvoll sein, gleichzeitig ein Spezialshampoo zu verwenden oder Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Diese Mittel allein reichen jedoch nicht aus, um Haarverlust, der durch eine Essstörung verursacht wurde, zu bekämpfen. Eine Psychotherapie zur Heilung der Essstörung ist also unabdingbar. Betroffene müssen sich ein neues Körpergefühl erarbeiten und lernen, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Werden dem Körper langfristig ausreichend Nährstoffe zugefügt, erübrigt sich der Haarverlust in der Regel ganz von allein.

Fazit: Essstörungen niemals auf die leichte Schulter nehmen!

Eine Essstörung ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die unbedingt behandelt werden muss. Haarausfall ist eine häufige Begleiterscheinung, die den Leidensdruck der Betroffenen und somit auch das schädliche Essverhalten zusätzlich verstärken kann. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist es unerlässlich, schnellstmöglich Hilfe in Anspruch zu nehmen und eine Psychotherapie zu beginnen. Gelingt es, das emotionale Gleichgewicht wiederherzustellen und den Körper dauerhaft mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen, gehört auch der Haarausfall schon bald der Vergangenheit an.

 


Quellen:

https://www.navigator-medizin.de/magersucht_bulimie/die-wichtigsten-fragen-und-antworten-zu-magersucht-und-bulimie/koerperliche-folgen-und-begleiterscheinungen/381-warum-fallen-bei-essstoerungen-die-haare-aus.html
https://www.extratipp.com/lifehacks/deshalb-mindern-essstoerungen-drastisch-wachstum-zr-9675796.html
https://www.aerzteblatt.de/archiv/19268/Haarausfall-und-Umwelteinfluesse-Haarausfall-bei-Bulimie-diagnostische-Probleme
https://drbalwi.com/haarausfall-wegen-essstoerung/