Haarausfall – diese Rolle spielt die Niere

Als größtes und zentrales Stoffwechselorgan ist die Niere verantwortlich für viele Körperfunktionen. Sie ist für den Säure-Basen-Ausgleich und für den Ausgleich des Elektrolytspiegels zuständig. Gleichzeitig gehört sie mit der Leber zur „Abfallzentrale“ des Körpers. Kann die Niere ihrer Aufgabe nicht vollständig nachkommen, wirkt sich dies auf weitere Vorgänge im Körper aus.

Mann hält sich Rücken im Nierenbereich

Zusammenhang Haarausfall und Niere

Hauptaufgabe der Nieren ist es, Schadstoffe aus dem Blutkreislauf zu filtern. Wie wichtig diese Funktion ist, erkennt man, wenn man an Dialysepatienten denkt. Ohne Dialysegerät führt hier die Fehlfunktion der Niere – oder die fehlende Niere – zum lebensbedrohlichen Anstieg von Giftstoffen im Blut. Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang von harnpflichtigen Substanzen. Dazu zählen Endprodukte aus dem Eiweißstoffwechsel wie Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin. Aber auch ein Überschuss an Mineralstoffen muss über die Niere ausgeschieden werden. Hier sind es vor allem Natrium, Kalium und Phosphat. Sammeln sich diese Schadstoffe im Körper, können sie die gleichen Symptome verursachen wie ein Mangel. Gleichzeitig ist durch eine angegriffene Niere die Aufnahme der für den Haaraufbau wichtigen Stoffe aus dem Blutkreislauf gestört.

Wie beeinflusst die Niere die Haare?

Ist die Nierenfunktion beeinträchtigt, führt dies zu Fehlfunktionen im gesamten Körper. Nicht nur die angesammelten Giftstoffe haben einen negativen Einfluss auf den Haarwuchs, sondern auch der durch die Nierenfehlfunktion gestörte Wasser-, Salz- und Säure-Basen-Haushalt sowie die beeinträchtigte Blutbildung. Da auch Vitamine und Mineralstoffe sich untereinander zuspielen müssen, geraten viele wichtige Vorgänge in unserem Körper außer Takt.

Wann führt die beeinträchtigte Niere zum Haarausfall?

Eine kurzfristige Beeinträchtigung in der Nierenfunktion, wie etwa die unzureichende Flüssigkeitsaufnahme an einem Sommertag, hat noch keine Auswirkungen auf den Haarwuchs. Kann die Niere aber über Tage, Wochen oder gar Jahre ihrer Aufgabe nicht mehr vollständig nachkommen, bleibt Haarausfall kaum aus. Im besonderen Maße gilt dies aber, wenn Nierenschwäche oder Tumore die Nierenfunktion stören oder eine andere Grunderkrankung ihrerseits die Niere funktionsuntüchtig machen.

Krankheiten der Niere: Haarausfall als Folge

Der am häufigsten durch eine Fehlfunktion der Niere vorkommende Haarausfall ist die diffuse Alopezie. Diese Form des Haarverlustes entsteht durch einen gestörten Wachstumszyklus. Die krankheitsbedingte Mangelversorgung der Haare einerseits, aber auch Medikamente wirken sich bei vielen Patienten rasch auf den Haarwuchs aus.

Führen Umweltgifte zum Haarausfall?

Einen gewissen Anteil der durch die Nahrung, Luft oder direkten Kontakt aufgenommenen Giftstoffen kompensiert die Niere durch ihre Ausscheidungsfunktion. Die dauerhafte Einwirkung von Schad- und Giftstoffen kann jedoch die Niere selbst schädigen, sodass ein unguter Kreislauf einsetzt. An Umweltgiften sind es hauptsächlich Thallium, Kadmium und Quecksilber, die eine vorbelastete Niere nicht mehr abbaut und die deshalb dem Körper schaden. Insbesondere Thallium greift direkt in das Haarwachstum ein. Die schädliche Wirkung von Schwermetallen zeigt sich jedoch nicht immer sofort: Die Wissenschaft unterscheidet hier die ausgelösten Alopezien nach Frühtyp oder Spättyp, dazu spielen Faktoren wie die aufgenommene Dosis und die Einwirkdauer eine wesentliche Rolle. Die Suche nach der Ursache der akuten oder subakuten toxischen Alopezien wird deshalb erschwert.

Kann Kreatin Haarausfall verursachen?

Kreatin dient dem Muskelaufbau und der Muskelfunktion. Neben dem natürlichen Kreatin, das im Körper hergestellt wird, nehmen wir Kreatin aus der Nahrung, etwa beim Essen von gekochtem Fleisch auf. Leistungs- und Kraftsportler greifen zur Kreatinaufnahme mitunter auch auf Nahrungsergänzungsmittel zurück. Ein bis zwei Prozent dieses Kreatins wird als Kreatinin wieder aus dem Körper über die ausgeschieden. Dies geschieht hauptsächlich durch den Urin, lediglich geringe Mengen an Kreatinin werden über Galle und Darm entsorgt. Sind die Nieren nicht mehr in der Lage, dieses Kreatinin auszuscheiden, sammelt es sich an. Die Folge ist Haarausfall, der besonders dann auftreten kann, wenn die Kreatinaufnahme durch Nahrungsergänzung erfolgt.

Führt Nierenschwäche zum Haarausfall?

Eine Nierenschwäche, auch Niereninsuffizienz genannt, kann zu Haarausfall führen, da die im Körper vorhandenen Giftstoffe das Haarwachstum beeinflussen. Die Niereninsuffizienz ist vielfach die Folge einer anderen Krankheit. Insbesondere Grunderkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes zählen zu den Auslösern. Von Nachteil ist, dass eine Nierenschwäche nicht immer sofort bemerkt wird. Symptome wie Müdigkeit und Leistungsschwäche werden anfangs nicht mit der Nierenerkrankung in Zusammenhang gebracht. Wird die Niereninsuffizienz chronisch, werden die von der Niere gesteuerten Körperfunktonen beeinträchtigt. Deshalb sollte Arzt, der die zugrundeliegende Krankheit wie Diabetes behandelt, besonderen Wert auf Bluttests legen, mit denen die Funktion der Niere überwacht wird.

Auch Erkrankungen des Autoimmunsystems stören die Nierenfunktion. Besonders Lupus erythematodes greift neben anderen Organen auch die Niere an. Deshalb sollte bei jedem diffusen Haarausfall, der über längere Zeit besteht, der Arzt zur Klärung der Ursache hinzugezogen werden.

Fallen die Haare bei Nierentumoren aus?

Nierentumore führen nicht nur zur Störung der Nierenfunktion, sie können auch den Abtransport der Schadstoffe durch das Wasserlassen stark beeinträchtigen. Dieser Eingriff in den natürlichen Vorgang allein kann einen gesunden Haarwuchs verhindern und zu verstärktem Haarausfall führen. Bei Tumorpatienten kommt jedoch noch ein weiterer Umstand hinzu, der für den Haarverlust verantwortlich ist: Die Medikamente, die im Rahmen einer notwendigen Chemotherapie verabreicht werden, sind so konzipiert, dass sie Zellen an ihrer Teilung, dem Wachstum und der Erneuerung hindern. Dies trifft natürlich nicht nur auf die Krebszellen zu, auch andere Zellvorgänge leiden darunter. Besonders ausgeprägt ist die Störung bei Zellen, die sich rasch teilen, wie die der Haut, der Schleimhaut und der Haarwurzeln.

Krankheiten der Niere: Haarausfall lindern

Der durch die Niere verursachte Haarausfall muss nicht nur nachteilig sein. Oft ist er ein Indikator dafür, dass mit der Nierenfunktion etwas nicht mehr stimmt. Um gegen diesen Haarausfall vorzugehen, müssen die Nierenerkrankung und eine zugrundeliegende andere Krankheit diagnostiziert und behandelt werden. Zusätzlich können Patienten auch selbst etwas tun: Eine gesunde Ernährung und – nach Absprache mit dem behandelnden Arzt – Nahrungsergänzung oder Medikamente gegen Haarausfall tragen dazu bei, den Haarausfall zumindest etwas zu mildern.

 


Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/17686/Haarausfall-und-Umwelteinfluesse
https://www.endokrinologie.net/krankheiten-hirsutismus.php
https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/sle/krankheitsbild.html
https://www.endo-bochum.de/krankheiten/nebennierenerkrankungen/nebennierentumore-nebennierenadenome-tumore-der-nebenniere/
https://www.freseniusmedicalcare.com/fileadmin/data/com/pdf/Media_Center/Nieren_verstehen.pdf
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/inhalt-10-2004/titel-10-2004/