Haarausfall beim Waschen: Normal oder Anlass zur Sorge?

Nicht nur beim Kämmen, sondern auch beim Waschen macht es sich besonders bemerkbar, wenn Haare ausgehen. Schnell drängt sich die Frage auf, ob dieser Haarverlust noch normal oder bereits bedenklich ist. Schließlich möchte ein jeder, dass seine Haare dicht und gesund sind. Neben genetischen, hormonellen und krankheitsbedingten Einflüssen können sich auch Pflegefehler beim Haarewaschen in Form von Haarausfall bemerkbar machen.

Frau unter der Dusche

Wie viel Haarausfall ist normal?

Ein Haarsieb ist eine feine Sache. Es schont den Abfluss und die Umwelt, indem es ausgefallene Haare aufnimmt. Dieses kleine Metallsieb kann jedoch seine Benutzer auch verunsichern. Wer es benutzt, hat sicher schon einmal über die Menge der Haare gestaunt, die sich nach dem Duschen und Haarewaschen dort angesammelt hatte. Was vielleicht erst einmal erschreckt, erweist sich jedoch als weiterer Vorteil: Mittels des Haarsiebs, Kamm und Bürste bekommen Sie einen guten Überblick über die Menge der Haare, die Sie tatsächlich verlieren.

Als Faustregel gilt, dass täglich zwischen 70 und 100 Haare ausfallen. Der Münchner Dermatologe Dr. Bresser steckt den Rahmen sogar noch weiter, er hält einen Verlust von 20 bis 200 Haaren am Tag für ganz normal. Wer Gewissheit haben möchte, ob sein Haarausfall noch diesen Vorgaben entspricht, zählt sie einfach einmal. Meist werden es sehr viel weniger sein, als Sie befürchtet hatten.

Natürlich gibt es aber auch Zeiten, in denen das gesunde Maß an Haarverlust überschritten wird. Stellt sich heraus, dass weniger Kamm und Bürste ausgefallene Haare auffangen, sondern wirklich das Waschen ein Auslöser sein könnte, lohnt sich der genauere Blick darauf, ob beim Waschen alles richtig gemacht wird. Zu den Hauptfehlern bei der Haarpflege gehören

  • eine falsche Waschtechnik
  • ungeeignete Pflegemittel
  • zu kaltes oder zu heißes Wasser

Haarausfall nach Haarewaschen: Vorbeugen statt aufsammeln

Das richtige Haarewaschen fängt bereits vor der Wanne an. Vor allem bei längeren Haaren empfiehlt es sich, sie gründlich auszukämmen oder zu bürsten. Dies geht im noch trockenen Zustand leichter als hinterher bei nassen Haaren. Das Hauptaugenmerk beim Waschen sollte auf der Kopfhaut und dem Haaransatz liegen. Sanfter Massagedruck schadet nicht, ein Ziehen und Zerren an den Haarlängen führt zur unnötigen Belastung von Haaren, Haarwurzel und Kopfhaut. Meist reicht hier das durchfließende Shampoowasser aus, um die Haarlängen ganz von allein zu säubern.

Reste von Shampoo und Pflege werden gründlich aus den Haaren gespült. Zum ersten Trocknen reicht ein um den Kopf gewickeltes Handtuch aus. Um Haarausfall vorzubeugen, sollten Sie das Rubbeln der Haare vermeiden.

Sanfte Pflegemittel: Beitrag zur Haargesundheit

Das Shampoos zu scharf sind, kommt heutzutage nur noch selten vor. Eher ist das Gegenteil der Fall: Die pflegenden Inhaltsstoffe wie Silikone umhüllen das Haar und sorgen für Glanz. Langzeitig angewendet können Haare durch diese Shampoos und Spülungen jedoch verkleben. Das Haar wird beschwert und hängt kraftlos herab. Wird nun versucht, durch erneutes Waschen Abhilfe zu schaffen, setzt ein unguter Kreislauf ein. Auch auf der Kopfhaut lagern sich Silikone ab. Sie können bei empfindlichen Personen zu Irritationen und letztendlich zu Haarausfall führen.

Wird zudem ein Inhaltstoff des Shampoos nicht vertragen, kann es durch tägliches Haarewaschen durchaus schneller zu einer unerwünschten Reaktion wie Jucken der Kopfhaut oder gar zu einer Allergie inklusive Haarausfall kommen. Halten Sie sich bei bestehenden Erkrankungen der Kopfhaut an die Empfehlungen des behandelnden Arztes.

Parfüm- und konservierungsmittelfreie Shampoos sind grundsätzlich eine sinnvolle Wahl. Sie schonen Haare, Kopfhaut und Umwelt gleichermaßen.

Kälte und Hitze: Schock für die Kopfhaut

Die Reaktion auf Kälte ist, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen, um sich bald darauf umso mehr auszudehnen. Bei heißem Wasser werden die Blutgefäße direkt erweitert. Infolge wird die Kopfhaut besser durchblutet, ein im Prinzip sinnvoller Effekt. Dieser kann jedoch dazu führen, dass beim Haarewaschen alte, abgestorbene Haare spontan abgestoßen werden. Der Hamburger Hautarzt Dr. Schaart geht davon aus, dass beim Haarewaschen bis zur doppelten Anzahl Haare als sonst ausgehen können. Dies gleicht sich jedoch nach seinen Aussagen wieder in den nächsten Tagen aus. Er plädiert deshalb auch dafür, Haare nicht täglich, sondern nur alle zwei bis drei Tage zu waschen.

Wenn Sie nach einem Tag in der Sonne schon einmal festgestellt haben, dass die Kopfhaut spannt und vermehrt Haare ausgehen, sollten Sie Vorsicht walten lassen. Lauwarmes Wasser beim Haarewaschen und eine luftige Kopfbedeckung im Freien schützen Ihre empfindliche Kopfhaut und beugen Haarverlust vor.

Haarwaschtrend: Weg vom Shampoo

Aktuell geht der Trend dazu, die Haare seltener und ohne Shampoo zu waschen. No Poo, kein Shampoo, ist jedoch nicht für jeden und jedes Haar geeignet. Hafermehl und saure Rinse können durchaus eine ökologisch sinnvolle Alternative zu herkömmlichen Shampoos sein. Wer aber auf glutenhaltiges Getreide bereits mit Allergien reagiert, darf sich in diesem Fall nicht über Haarausfall wundern. Durch die saure Rinse – die anschließende Spülung mit Apfelessig – wiederum, kann der natürliche pH-Wert der Kopfhaut aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Irritationen und Haarausfall sind nicht selten die Folge. Bleiben Sie deshalb aufmerksam, ob diese natürliche Art der Haarwäsche wirklich für Sie geeignet ist.

Festes Shampoo und Haarseifen können ebenfalls durchaus eine sinnvolle Alternative zum Shampoo in Plastikflaschen darstellen. Hier ist es jedoch ebenfalls wichtig, dass Sie genau auf die Verträglichkeit achten. Gerade bei Waschstücken aus kleinen Manufakturen wird anders als bei industrieller Herstellung die Verträglichkeit nicht im Labor getestet. Sie sind Ihr eigenes Versuchsobjekt. Achten Sie deshalb genau darauf, ob diese festen Haarwaschprodukte Ihrer Kopfhaut und Ihrem Haar wirklich guttun und nicht womöglich ein verstärkter Haarausfall nach dem Waschen auftritt.

 


Quellen:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-072007/haarausfall-ist-nicht-gleich-haarausfall/
https://www.drbresser.de/kopf-und-haare/haarausfall/
https://docschaart.de/blog/2011/haarausfall-wie-helfe-ich-mir-selbst