Ursachen für Haarausfall bei Männern

Da Haare nur eine begrenzte Lebensdauer haben und irgendwann ausfallen, ist es normal, bis zu 100 Haaren täglich zu verlieren. Erst wenn deutlich mehr Haare ausfallen, der Haarverlust über einen längeren Zeitraum andauert oder vereinzelt kahle Stellen sichtbar werden, sprechen Mediziner von Haarausfall (Effluvium). Männer sind häufiger von Haarausfall betroffen als Frauen: In Deutschland leiden ca. 50 bis 80 % der Männer im Laufe ihres Lebens unter übermäßigem Haarverlust. Dies kann verschiedene Ursachen haben.

Erblich bedingter Haarausfall (Androgenentische Alopezie)

Die bei Männern am häufigsten auftretende Form von Haarausfall ist der so genannte erblich bedingte Haarausfall (Androgenetische Alopezie), unter der ca. 60 % aller Männer leiden. Er tritt bei vielen Männern erstmalig im Altern von 20 bis 30 Jahren auf und zeigt sich zunächst am Hinterkopf und im Schläfenbereich, bevor er sich über den gesamten Oberkopf ausbreitet, bis nr noch ein Haarkranz am Hinterkopf bestehen bleibt. Wie der Name bereits sagt, spielen die Gene hierbei eine wichtige Rolle.

Die Haarwurzeln der Männer, die an erblich bedingtem Haarausfall leiden, reagieren überempfindlich auf bestimmte Hormone, insbesondere auf Dihydrosteron (DHT), eine Variante des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Außerdem enthalten ihre Haarwurzeln eine vergleichsweise große Menge des Enzyms 5-Alpha-Reduktase, das wiederum für die Bildung von DHT verantwortlich ist. Mit anderen Worten: Die Haarwurzeln von Menschen mit androgenetischer Alopezie

  1. Produzieren mehr DHT und…
  2. …reagieren gleichzeitig überempfindlich auf genau dieses Hormon.

Diese Überempfindlichkeit führt dazu, dass sich die Wachstumsphase der Haare verkürzt

und diese infolgedessen früher ausfallen. Schließlich beginnen die Haarfollikel zu schrumpfen, sodass sich letztendlich nur noch kurze und dünne, kaum sichtbare Haare bilden. Bei manchen Männern bleiben diese bestehen, bei anderen fallen sie aus und es wachsen keine neuen Haare mehr nach.

Da der Haarausfall in diesem Fall genetisch bedingt ist, kann ein erster Blick auf die Haarpracht (oder Glatze) des Vaters oder Großvaters, erste Hinweise für das Vorliegen einer androgenetischen Apolepsie und somit das eigene Aussehen im höheren Lebensalter liefern.

Auch der so genannten kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) hat eine genetische Komponente, kann jedoch ebenfalls als Folge anderer Erkrankungen auftreten.

Ursachen für Haarausfall bei Männern
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Haarausfall als Symptom anderer Erkrankungen

Doch nicht immer sind die Gene Auslöser für den vermehrten Haarverlust: In einigen Fällen kann Haarausfall auch das Begleitsymptom einer Erkrankung sein.So leiden einige der von kreisrundem Haarausfall betroffenen Männer gleichzeitig an einer Autoimmunerkrankung (wie Neurodermitis oder Schuppenflechte). Aus diesem Grund liegt die Vermutung nahe, dass auch der Haarausfalls eine Autoimmunreaktion des Körpers darstellt. Das körpereigene Immunsystem greift also fälschlicherweise die Haarwurzeln an, was dazu führt, dass diese an einigen Stellen verstärkt ausfallen. Allerdings handelt es sich hierbe, wie bereits erwähnt, nur um eine mögliche Ursache des kreisrunden Haarausfalls, dessen typische Merkmale runde, münzgroße kahle Stellen sind. Experten ziehen auch genetische und psychische Ursachen in Betracht. Darüber hinaus gibt es noch andere Erkrankungen, die mit Haarausfall einhergehen können. Hierzu gehören vor allem Infektionskrankheiten wie:

  • schwere Grippe
  • Fieberanfälle (> 39 °C)
  • Typhus
  • Tuberkulose
  • Scharlach
  • Syphilis
  • Oder Pilzinfektionen

Darüber hinaus können einige Krankheiten die Haarwurzeln schädigen und dadurch einen so genannten diffusen Haarausfall (diffuse Alopezia) verursachen:

  • Stoffwechselerkrankungen (wie Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion)
  • Chronische Darmerkrankungen
  • Essstörungen (wie Anorexie oder Bulimie)
  • Schwermetallvergiftungen (z.B. durch Arsen oder Thallium)

Charakteristisch für den diffusen Haarausfall ist das zunehmend lichter werdende Kopfhaar. Die Haare fallen dabei gleichmäßig über den gesamten Kopf verteilt aus, bis teilweise nur noch die Kopfhaut zu sehen ist. Dies lässt sich dadurch erklären, dass aufgrund der Erkrankung überdurchscnittlich mehr Haare in die so genannte Telogenphase, woraufhin mehr Haare als gewöhnlich ausfallen. Deshalb macht sich der vermehrte Haarausfall oft erst 2 bis 3 Monate nach Erkrankungsbeginn bemerkbar.  Diffuser Haarausfall kann jedoch auch die Nebenwirkung von Medikamenten sein.

Haarausfall als Nebenwirkung von Medikamenten

Zu den bekanntesten medikamentösen Therapien, die Haarausfall verursachen können, gehört die Strahlentherapie bei Krebserkrankungen, vor allem, wenn die Strahlen in der Kopfregion zur Anwendung kommen.Unabhängig von der Art des Krebsleidens führt auch die Einnahme von Zytostatika im Rahmen einer Chemotherapie häufig zu Haarausfall. Nach dem Ende der Behandlung wachsen die Haare in den meisten Fällen wieder nach. Das gilt sowohl für die Chemotherapie als auch für die Strahlentherapie, vorausgesetzt, die Haarwurzeln wurden durch die Bestrahlung nicht dauerhaft geschädigt.

Jedoch sind Krebsmedikamente nicht die einzigen Arzneimittel, deren Wirkstoffe zu Haarausfall führen. Folgende Medikamente können ebenfalls Haarausfall auslösen:

  • Lipidsenker (erhöhte Blutfettwerte)
  • Thyreostatika (Schilddrüsenüberfunktio)
  • Retinoide (Akne)
  • Betablocker (Bluthochdruck)
  • Statine (Cholesterinsenker)
  • Sowie Antikoagulanzien (Gerinnungshemmer/Blutverdünner)

Häufig bewirken die jeweiligen Wirkstoffe, dass die Haare schon in ihrer Wachstumsphase (Anagenphase) ausfallen. Deshalb tritt Haarausfall als Nebenwirkung von Medikamenten meist schon wenige Tage nach Beginn der Einnahme oder  Anwendung auf.

Sonstige Ursachen

Neben den bisher genannten Faktoren wird auch lang anhaltender Stress von Experten immer wieder als mögliche Ursache für Haarausfall genannt. gibt es noch weitere Ursachen. Insbesondere anhaltender Stress ist immer wieder ein Faktor, den Experten als möglichen Auslöser für Haarausfall nennen. Aber auch andere psychische Ursachen wie Ängste oder Traumata sind denkbar. Außerdem können bestimmte Gewohnheiten oder Lebensumstände zu verstärktem Haarverlust und/oder einem verringerten Haarwachstum führen. Typische Beispiele hierfür sind:

  • Crash-Diäten / Fastenkuren
  • längerfristige Mangelernährung, vor allem Eisenmangel
  • anhaltendes Ziehen an den Haarwurzeln (zum Beispiel durch einen sehr straff gebundenen Pferdeschwanz oder Zopf)
  • falsche Haarpflege (zum Beispiel zu heißes Föhnen oder zu häufiges Bleichen)
  • Operationen mit Vollnarkose
  • längere Bettlägerigkeit

Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Ursache des Haarausfalls und dem jeweiligen Behandlungserfolg, weswegen es wichtig ist, den genauen Auslöser zu erkennen, um ihn – wenn möglich – einzudämmen oder gar zu beseitigen.