Haarausfall bei Kindern – Symptome, Ursachen und Behandlung

Haarausfall tritt nur bei älteren Personen auf, lautet die weit verbreitete Meinung. Tatsächlich ist Haarausfall auch bei Kindern möglich und Experten zufolge auch gar nicht so selten. Je nach Art und Ursache des Haarausfalls wächst sich das Problem im wahrsten Sinne des Wortes im Laufe der Zeit von selbst aus, kann behandelt werden oder nicht. Bei den meisten Fällen von Haarausfall bei Kindern handelt es sich um den sogenannten kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata).

Kreisrunder Haarausfall bei Kindern

Wie der Name schon sagt, lässt sich kreisrunder Haarausfall relativ leicht an den runden kahlen Stellen am Kopf erkennen. Insgesamt sind etwa 0,03 bis 0,1 % der Kinder und Jugendlichen von dieser Form des Haarausfalls betroffen, wobei die Häufigkeit bei Jungen und Mädchen etwa gleich hoch ist.

Es gibt verschiedene Varianten: Manchmal führt der Haarverlust zu einem kompletten Verlust der Kopfhaare (Alopecia areata totalis), in anderen Fällen betrifft er auch andere Körperbereiche (Alopecia universalis) wie der Wimpern und Augenbrauen. Dieser relativ plötzlich und oft schubweise auftretende Haarausfall ist auf eine genetisch bedingte Autoimmunkrankheit zurückzuführen, deren Ursache bislang noch unbekannt ist. Fest steht nur, dass sich das Immunsystem der Betroffenen gegen den eigenen Körper richtet und damit unter anderem den Haarausfall auslöst.

Eine Behandlung dieser Immunkrankheit und dem daraus resultierenden Haarausfall ist schwierig. Denn die vorhandenen Immunsuppressiva lösen teilweise erhebliche Nebenwirkungen aus, bei denen sich die Frage stellt, ob der Nutzen hier tatsächlich das Risiko überwiegt. Bei 30 bis 40 % der Betroffenen sind die kahlen Stellen innerhalb von sechs Monaten von selbst wieder verschwunden, nach einem Jahr bei etwa jedem zweiten Kind. Es kann jedoch sein, dass es später erneut zu Haarausfall kommt.

Diffuser Haarausfall bei Kindern

Ebenfalls häufig tritt der diffuse Haarausfall bei Kindern auf. Die möglichen Ursachen hierfür sind zahlreich und für Dermatologen ist der Auslöser im Einzelfall nie leicht zu identifizieren. Es kann sein, dass der Haarausfall durch Mangelzustände (zum Beispiel einer Unterversorgung mit Eisen) verursacht wird oder als Nebenwirkung von Medikamenten oder als Symptom von Erkrankungen (wie zum Beispiel Schilddrüsenproblemen) auftritt. Da die Ursachenbestimmung so schwierig ist, ist auch die Behandlung nicht einfach, da diese auf die Erkrankungsursache abzustimmen ist. Beobachtungen haben jedoch gezeigt: Wenn der Haarausfall nach einem Unfall mit Blutverlust, einer längeren Narkose oder aber etwa 3 Monate nach einem Infekt mit Fieber auftritt, hört er oft nach einiger Zeit von selbst wieder auf.

Haarausfall durch virale, bakterielle oder Pilzinfektionen

Auch bei Kindern kann eine Infektion der Kopfhaut zu Haarausfall führen. Eher selten sind virale oder bakterielle Infektionen, viel häufiger sind es Pilzinfektionen, die den Haarverlust verursachen. In den meisten Fällen handelt es sich um Tinea capitis, eine Hautpilzerkrankung an der Kopfhaut, die vor allem vor der Pubertät auftritt. Sie ist ansteckend und kann sich zum Beispiel im Kindergarten recht schnell verbreiten, wenn die Kinder Bürsten, Mützen oder Kissen miteinander tauschen. Typische Kennzeichen sind eine rötliche schuppige Kopfhaut sowie abgebrochene oder fehlende Haare.

Die Behandlung erfolgt üblicherweise mit lokal oder systemisch eingesetzten Antimykotika und dauert bis zu 3 Monaten. Es ist wichtig, dass mit der Behandlung frühzeitig begonnen wird, denn mit zunehmender Dauer der Erkrankung können sich die Haarwurzeln entzünden und irreversibel geschädigt werden. Die Folge ist vernarbtes Gewebe, auf dem kein Haar mehr wachsen kann. Um eine solche Vernarbung zu verhindern, raten Experten unbedingt dazu, frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ausfallen oder Ausreißen?

Experten halten es für möglich, dass bei Haarausfall im Kindes- und Jugendalter auch psychische Faktoren eine wichtige Rolle spielen könnten. So kann es sein, dass der Haarverlust gar nicht auf ein Ausfallen, sondern vielmehr Ausreißen der Haare zurückzuführen ist. Sich die Haare auszureißen ist bei manchen jüngeren Kindern meist „nur“ eine schlechte Angewohnheit und Trotzreaktion. Bei älteren Kindern und Jugendlichen kann es jedoch Ausdruck ernsthafter psychischer Probleme sein. Experten schätzen, dass bis zu 1 % der Jugendlichen an krankhaftem Ausreißen der Haare („Trichotillomanie„) leiden. Diese psychische Störung erfordert in der Regel eine Verhaltenstherapie bei einem Psychotherapeuten, der sich mit diesem Krankheitsbild auskennt.

Wer ist Ansprechpartner?

Medizinisch bedeutsam ist Haarausfall bei Kindern wie Erwachsenen erst, wenn sie über einen längeren Zeitraum mehr als 100 Haare täglich verlieren. Für Laien ist die Anzahl der ausgefallenen Haare schwer abzuschätzen, deshalb ist es sinnvoll, die Haare tatsächlich zu zählen. Liegt ihre Zahl über mehrere Tage hinweg deutlich über, ist es ratsam, den Kinderarzt aufzusuchen. In vielen Fällen weiß er bereits Rat und kann bei Bedarf entsprechende Behandlungen anordnen. Bei komplizierteren Fällen wird er sich an einen Dermatologen (Hautarzt) wenden, der als Spezialist für Haarausfall gilt und die weitere Behandlung des Haarausfalls einleiten kann.