Haarausfall in den Wechseljahren

Mit dem Klimakterium müssen Frauen sich auf viele körperliche und psychische Veränderungen einstellen. Neben den bekannten Hitzewallungen und seelischen Verstimmungen ist auch Haarausfall weit verbreitet. Diese Folge der hormonellen Umstellungen belastet Betroffene meist sehr, weil sie den ästhetischen Gesamteindruck stark beeinflussen kann, was sich negativ auf das Selbstbewusstsein und Gesamtwohlbefinden auswirken kann. Vielfach wird der Verlust der Haare als ein Tabu empfunden, über das nicht gern gesprochen wird. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, sich mit Ursachen und möglichen Lösungswegen auseinanderzusetzen und sich ggf. medizinische Hilfe zu suchen. Warten Sie  hiermit nicht zu lange, sondern nehmen Sie den vermehrten Haarausfall von Beginn an ernst.

Der Östrogenspiegel nimmt ab -und mit ihm die Haarpracht

Wer Östrogene nur mit der weiblichen Fortpflanzungsfunktion in Zusammenhang bringt, verkennt die große Bedeutung dieses Hormons im weiblichen Organismus. Als Botenstoffe haben Hormone im Körper der Frau viele Funktionen, Östrogen sorgt dabei unter anderem für schöne und kräftige Haare. Einige andere Hormone wie das Stresshormon Cortisol und das männliche Hormon Testosteron greifen die Haarwurzeln hingegen an. Kommt es mit den Wechseljahren zu einer Abnahme der Östrogenproduktion, nehmen also verhältnismäßig die möglichen negativen Einflüsse auf die Haare zu. Das Kopfhaar wird dünner, es fallen vermehrt Haare aus.

Warum leiden nicht alle Frauen in den Wechseljahren an Haarausfall?

Die Hormonumstellungen im Rahmen der Wechseljahre verlaufen im Körper jeder Frau anders. Zudem scheinen bei Haarausfall in den Wechseljahren auch erbliche Komponenten eine Rolle zu spielen. Hinzu kommt, dass sich die Haarwurzel aufgrund der hormonellen Umstellung verändert, wodurch die optimale Versorgung mit haarfreundlichen Mikronährstoffen, also Mineralstoffen und Vitaminen, nicht mehr gewährleistet ist, ein Prozess, der ebenfalls individuell unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Doch nicht immer ist Haarausfall ein Grund zur Sorge. Zwischen 70 und 100 Haare verliert jeder Mensch durchschnittlich täglich.

Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall

Je nach Ursache, lassen sich verschiedene Arten von Haarausfall unterscheiden. Es gibt den diffusen Haarausfall, der sich typischerweise durch ein relativ gleichmäßiges Ausdünnen der Haare über den gesamten Kopf auszeichnet und meist keine Krankheit als Ursache hat. Wenn hingegen erbliche Faktoren für den Haarverlust mitverantwortlich sind, entsteht meist das besondere Bild des erblich bedingten Haarausfalls, bei dem bei Frauen vor allem im Scheitelbereich am Oberkopf kahle Stellen entstehen. Bei Männern hingegen bilden sich zuerst Geheimratsecken aus, anschließend beginnt der Haarausfall im Hinterkopfbereich. Betroffene durchlaufen dabei mehrere Phasen mit unterschiedlichem Schwergrad, bis hin zur Glatze, was jedoch bei Frauen nur sehr selten der Fall ist. Die Ursache für erblich bedingten Haarausfall besteht darin, dass die Haarwurzeln veranlagungsbedingt hoch empfindlich auf Testosteron reagieren. Genauer gesagt, ist die aktive Form des Testosterons, das Dihydrotestosteron (DHT) Schuld an der Verkümmerung der Haarwurzel. Es kommt auch im weiblichen Körper vor. Durch das Absinken des Östrogenspiegels kann es zu einem relativen Anstieg des Testosteronspiegels kommen. Das toleriert die Haarwurzel bei einigen Frauen- wie übrigens auch bei vielen Männern, bei denen das Haar im steigendem Lebensalter unter DHT-Einfluss zunehmend ausdünnt- nicht.

Eine weitere Art von Haarausfall macht sich ebenfalls durch vereinzelte kahle Stellen bemerkbar. Beim kreisrunden Haarausfall werden als zusätzliche Faktoren Prozesse des körpereigenen Immunsystems vermutet welche die Haarwurzeln angreifen. Diese besondere Art tritt aber in der Regel bereits vor den Wechseljahren auf.

Die Ursachen für Haarausfall in den Wechseljahren sind damit vielfältig und in der Regel nicht allein im Klimakterium zu sehen. Der genetische Aspekt darf dabei nicht unterschätzt werden. Es lohnt sich, als Frau bereits vor den Wechseljahren bei Mutter und Großmutter zu schauen, wie sich deren Haarpracht während des Klimakteriums verändert haben. So lassen sich erbliche Veranlagungen in diesem Bereich gut einschätzen. Wichtig ist letztendlich, dem Verlust der Haare möglichst frühzeitig entgegenzuwirken.

Haarausfall in den Wechseljahren
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Was tun gegen Haarausfall in den Wechseljahren?

Die Pflege und der Erhalt der Haarwurzeln stehen im Mittelpunkt, wenn es darum, geht den hormonell und erblich beeinflussten Haarverlust in den Wechseljahren zu reduzieren. Der Schlüssel liegt hierbei in der richtigen Ernährung und Versorgung mit Nährstoffen und Vitaminen. Eine gesunde und starke Haarwurzel verfügt über alle wichtigen Nährstoffe und ist außerdem gut durchblutet. Bewährt haben sich auch spezielle pflanzliche Haarausfall-Präparate gegen den erblich bedingten Haarausfall, die das Haar ebenfalls mit wichtigen Mikronährstoffen versorgen.

Um das Haarwachstum zu unterstützen, liegt der Fokus auf Eiweißbausteinen wie L-Cystin oder Vitaminen wie Pantothensäure.  Eiweiße sind allgemein die Baustoffe aller körperlichen Strukturen und somit auch Grundstoff für die Bildung von Haaren. Die Haare selbst bestehen aus Keratin, einer Hornsubstanz, die ebenfalls auf Eiweißen aufbaut.

Es gibt verschiedene Mittel, die mit Kombinationen aus Mikronährstoffen den Zellstoffwechsel der Haarwurzeln unterstützen. Frühzeitig angewandt, sollen die Haarwurzeln widerstandsfähiger gegen die Auswirkungen während der Wechseljahre werden. Dabei kommen neben den genannten B-Vitaminen auch Hirseextrakte zum Einsatz.

Ernährung in den Wechseljahren – Haut und Haare lieben Eiweiß

Allgemein ist eine ausreichende Versorgung mit Aminosäuren während der Wechseljahre für die Haargesundheit unverzichtbar. Mangelzustände in diesem Bereich können das Symptom Haarausfall massiv verstärken. Das gilt auch für Diäten mit einer Kalorienaufnahme von unter 1000 Kalorien pro Tag. Insgesamt kommt eine ausgewogene und eiweißreiche Ernährung ohne große Schwankungen in der Kalorienaufnahme auch den Haaren zugute. Das gilt im Übrigen auch für die Vermeidung von Stress. Nahezu jeder extreme Zustand im Organismus führt zur Ausschüttung von Hormonen und anderen Botenstoffen, die die Haarwurzeln negativ beeinflussen können.

Kann der Arzt in schweren Fällen helfen?

Bei schwerem Haarverlust sollte immer ein Arzt kontaktiert werden, auch um mögliche schwerwiegende Krankheiten als Ursache für den Haarausfall auszuschließen. In Extremfällen kann der Haarausfall auch mithilfe einer Hormontherapie behandelt werden. Ob eine solche Behandlung mit Hormonen sinnvoll ist, muss im Einzelfall und in Rücksprache mit dem Arzt geklärt werden. Gemeinsam mit der Patientin sollten die Vor- und Nachteile dieser Behandlungsmethode besprochen werden. Nicht selten geht der Östrogenmangel auch mit weiteren, teils schwerwiegenden Beeinträchtigungen einher. In diesem Fall können im Rahmen einer Hormontherapie auch andere Symptome mitbehandelt werden.

Möglichkeiten zur Behandlung von Haarausfall in den Wechseljahren:

  • Verschiedene Mittel gegen Haarausfall und „haarfreundliche“ Lebensführung
  • Hormonersatztherapie
  • Haarersatz zur Wiederherstellung der äußeren Ästhetik

Bei Haarausfall in den Wechseljahren frühzeitig handeln

Werden die Haarwurzeln dauerhaft und zu stark geschädigt, erholen sich die Haarwurzeln nach einer gewissen Zeit nicht mehr. Deshalb sollte möglichst frühzeitig gegen den Haarverlust vorgegangen werden. Am besten ist es, bei beginnendem Haarausfall zunächst das Gespräch mit dem Arzt oder auch in Ihrer Apotheke zu suchen.