Haarausfall bei Chemotherapie ist ein ernstes Thema, das viele Patienten zusätzlich zu ihrer Erkrankung massiv belastet. Deshalb setzt die Forschung alles daran, den Betroffenen diese Nebenerscheinung zu ersparen. Erste Erfolge zeigen sich beispielsweise durch Kühlkappen, bei anderen Methoden gibt es zufriedenstellende Laborergebnisse, die sich jedoch noch in der Praxis beweisen müssen.

Haarausfall bei Chemotherapie – wie entsteht er?

Am häufigsten kommt es unter der Chemotherapie durch die eingesetzten Medikamente zum Haarausfall. Die sogenannten Zytostatika, die auf sich teilende, schnell wachsende Zellen einwirken, erweisen sich bislang als mit am erfolgreichsten, um verschiedene Krebsformen zu bekämpfen. Was aber die Zellteilung der „schlechten“ Körperzellen verhindert, hat logischerweise auch Einfluss auf die gewünschte Zellteilung. Ganz besonders und vor allem unübersehbar trifft diese Eigenschaft die Haarzellwurzeln. Sie können ihrer normalen Tätigkeit nicht mehr nachkommen, Haare, die ihr Wachstumsalter erreicht haben, fallen aus. Neue Haare werden nicht oder nur langsam nachgebildet. Dazu kommt, dass sowohl die Krebserkrankung an sich als auch die Chemotherapie eine starke Belastung für den Körper ist. Appetitlosigkeit und Mangelernährung bei einem zugleich erhöhten Verbrauch von Mineralstoffen können die Folge sein. Dies wirkt sich ebenfalls negativ auf den Nachwuchs von gesunden Kopfhaaren aus. Weniger betroffen sind bei der Chemotherapie Wimpern, Augenbrauen und Körperhaare. Hier teilen sich die Zellen langsamer, sodass lediglich ein Anteil von bis zu 20 % der Haarwurzel von den Nebenfolgen der verwendeten Medikamente betroffen ist.

Dauerhafter Haarausfall durch Chemotherapie?

Zum Glück kommt diese Nebenwirkung der Medikamente eher selten vor. Nur wenige Fälle werden berichtet, in denen der Haarausfall noch lange Jahre nach der Chemotherapie anhält. Besonders betroffen scheinen hier Frauen zu sein, vor allem nach einer Brustkrebstherapie. Werden im Rahmen der Krebsbehandlung Stammzellen transplantiert, treten Einzelfälle auf, in denen der Haarwuchs für immer ausbleibt. Bei den meisten Patienten bessert sich der Haarausfall jedoch rasch, sobald die verabreichten Zytostatika ganz im Körper abgebaut wurden. Lediglich Veränderungen der Haarstruktur treten in diesem Zeitraum noch häufiger auf, etwa dünne, gelockte Haare anstellen von früherem kräftigem und geradem Haar. Normalisiert sich der Haarausfall nach einer Chemotherapie nicht im Laufe von mehreren Monaten wieder, kann eine ärztliche Abklärung hinsichtlich der ausreichenden Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen sinnvoll sein.

Was hilft gegen Haarausfall nach Chemotherapie?

Einige neue Erkenntnisse zeigen erfolgversprechende Möglichkeiten auf. Nicht alles an Anwendungen hält jedoch, was sich der Patient verspricht. Die Angebote sind unter anderem:

  • Shampoos und andere Pflegemittel
  • Spezielle Nahrungsergänzungen
  • Kühlkappen
  • neu entwickelte Medikamente für die Krebstherapie

Shampoos und Pflegemittel

Selbst bei hochpreisigen Haarpflegemitteln, die gegen Haarausfall bei Chemotherapie wirken sollen, lässt sich kein wissenschaftlicher Nachweis erbringen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie im Einzelfall nicht wirken können. Allein schon milde Inhaltsstoffe, eine durchblutungsfördernde Wirkung der Substanzen und der dazu gehörenden Massage bei der Haarpflege können sich positiv auf die Neubildung der Haare auswirken. Ein Wundermittel, das binnen kürzester Zeit einen gesunden Haarwuchs garantiert, sollte man jedoch besser nicht erwarten.

Nahrungsergänzungen nach Chemotherapie

Mitunter ist der Versorgungszustand der Erkrankten bereits vor Eintritt der Chemotherapie schlecht. Vor allem ältere Patienten sind vielfach unterversorgt. Wer jedoch nach einer Chemotherapie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen möchte, sollte vorher diesen Wunsch mit seinem Arzt besprechen. Oft tritt durch eine Überversorgung genau das Symptom auf, das diese Mittel bekämpfen sollen, nämlich Haarausfall.

Kühlkappen gegen Haarausfall

Diese innovative Methode scheint bislang die besten Ergebnisse zu erzielen. Mit den cool caps, Kühlhauben, die während der Chemotherapie die Wirkung der Zytostatika im Bereich der Haarwurzeln verringern, gibt es tatsächlich gute Resultate. Zwar eignet sich diese Methode nicht für alle Patienten, denn sie wird teils als überaus unangenehm empfinden. Ebenso fehlen noch wissenschaftlich fundierte Langzeitergebnisse.

Zielgerichtete Therapie statt Chemo

Dem Wunsch, weniger unter Haarausfall zu leiden, scheinen auch moderne Medikamente zumindest teilweise näher zu kommen. Die als „Hemmer“ bekannten Arzneimittel sind direkt auf die Krebszellen ausgerichtet, manche Patienten bezeichnen deren Auswirkung auf den Haarwuchs als gering.

 

Quellen:
https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/haare-haut-zaehne/haarausfall.php
https://www.test.de/Chemotherapie-bei-Krebs-Kuehlkappe-gegen-Haarausfall-5176150-0/
https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/article/931449/chemotherapie-kaeltekappe-schuetz-haarausfall.html
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/haarverlust-kann-jahrelang-anhalten/