Kreisrunder Haarausfall – Ursache, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten

In der Regel beginnt es mit einer kleinen, kreisrunden, kahlen Stelle auf dem Kopf, oft nicht größer als ein 2 Cent-Stück. Doch nach und nach fallen die Haare büschelweise aus.

Der so genannte kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) ist ein weit verbreitetes Phänomen, unter dem allein in Deutschland ungefähr 1,5 Millionen Männer und Frauen leiden. Je weiter der Haarausfall voranschreitet, desto stärker wirkt sich dies auf das Wohlbefinden der Betroffenen aus. Nicht selten geht mit dem Verlust des Kopfhaares auch ein Stück des Selbstbewusstseins verloren. Doch wie macht sich ein solcher kreisrunder Haarausfall bemerkbar? Was sind die Ursachen für den vermehrten Haarverlust und wie lässt sich dieser effektiv behandeln? In diesem Artikel erfahren Sie alles über die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von kreisrundem Haarausfall.

So erkennen sie den kreisrunden Haarausfall

Charakteristisch für den kreisrunden Haarausfall ist das Auftreten mehrerer kahler Stellen am Kopf, wobei die Kopfhaut einen elfenbeinfarbenen Ton annimmt. Auch an den Rändern der kahlen Stellen lassen sich abgebrochene Haare leicht herausziehen. Zwar gilt der kreisrunde Haarausfall über alle Altersgruppen hinweg als die zweithäufigste Ursache für vermehrten Haarverlust, jedoch betrifft er vor allem junge Menschen. So sind 70-80 % der Betroffenen jünger als 40 Jahre. Im Vergleich zu Männern leiden Frauen weitaus häufiger an kreisrundem Haarausfall, wobei die Erkrankung familiär gehäuft auftritt.

Mann mit kreisrundem Haarausfall
© Alex Papp / Fotolia

Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall: Haarverlust als Teil des natürlichen Haarwachstums

Um unsere Haut vor ultraviolettem Sonnenlicht zu schützen, verfügen wir Menschen über 80.000 bis 120.000 Kopfhaare, die kontinuierlich- über mehrere Jahre hinweg-weiterwachsen, bevor das alte Haar ausfällt und ein neues nachwächst. Jedes Haar durchläuft dabei mehrere Zyklen: Auf die Wachstumsphase (Anagenphase) folgt eine mehrmonatige Ruhephase (Telogenphase). Schließlich fällt das Haar aus und eine neue Wachstumsphase beginnt. Ein täglicher Haarverlust von 50-100 Haaren ist deshalb völlig normal und noch lange kein Grund zur Beunruhigung.

Verlauf und Symptome – Wie macht sich kreisrunder Haarausfall bemerkbar?

Abgesehen von den kreisrunden (bzw. ovalen) kahlen Stellen, beeinflusst kreisrunder Haarausfall auch die Beschaffenheit der verbleibenden Kopfhaare:

  • Im Randbereich der kahlen Flecken werden die Haare meist kurz und dick. Wie bereits erwähnt, lassen sich diese so genannten Kolbenhaare besonders leicht herausziehen.
  • Bei den so genannten „Ausrufezeichenhaare“ ist der natürliche Verhornungsprozess (Keratinisierung) derart gestört, dass sich die Haare nach unten hin verjüngen und schmaler werden, bis sie schlussendlich ebenfalls ausfallen.

Hier noch einmal die Symptome des kreisrunden Haarausfalls im Überblick:

  • Ovale oder runde kahle Flecken
  • Kolbenhaare (kurze, dicke Haare) im Randbereich
  • „Ausrufezeichenhaare“
  • Elfenbeinfarbene Haut an den kahlen Stellen
  • Völlige Kahlheit (Glatze) im fortgeschrittenen Stadium

Kreisrunder Haarausfall: Arten und Schwergrade

Gemessen am Ausmaß des Haarausfalls, unterscheiden Mediziner zwischen 4 verschiedenen Typen des kreisrunden Haarausfalls:

  1. Macht sich der Haarausfall lediglich in Form einer einzigen kahlen Stelle bemerkbar, spricht man von einer Alopecia areata
  2. Bei der Alopecia areatamultilocularis, fallen die Haare, wie der Name vermuten lässt, bereits an mehreren Stellen aus.
  3. Im Stadium der Alopecia areata subtotalis fällt den Betroffenen schließlich die gesamte Kopfbehaarung aus.
  4. Die schwerste Form des kreisrunden Haarausfalls Alopecia areata universalis beschreibt den Ausfall sämtlicher Körperhaare, also beispielsweise auch der Augenbrauen, Wimpern und Schamhaare.

Mögliche Ursachen für kreisrunden Haarausfall

Auch wenn die Auslöser für kreisrunden Haarausfall noch nicht gänzlich geklärt sind, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es sich hierbei im eine Art Autoimmunerkrankung handelt, bei der auch die Gene eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Aber auch einige Krankheiten scheinen in Zusammenhang mit kreisrunder Alopezie zu stehen.

Haarausfall als Folge einer Immunerkrankung

Unter anderem steht eine Störung des Immunsystems im Bereich der Haarfollikel im Verdacht, kreisrunden Haarausfall auszulösen. Eine solche Störung sorgt dafür, dass die Haarzellen von den körpereigenen Abwehrzellen als feindlich eingestuft werden. Infolgedessen richtet sich das Immunsystem gegen diese vermeintlichen „Eindringlinge“ und ein Entzündungsprozess wird in Gang gesetzt, der wiederum zum Stillstand des Haarwachstums führt, woraufhin die Kopfhaare schlussendlich ausfallen. Die Haarfollikel bleiben zwar erhalten, jedoch können im akuten Stadium der Erkrankung keine neuen Haare nachwachsen.

Erblich bedingter Haarausfall

Statistisch gesehen, tritt Haarausfall in 10-25 Prozent aller Fälle familiär gehäuft auf. So wird ein Kind, dessen Eltern an kreisrundem Haarausfall leiden, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch daran erkranken. Erbliche Faktoren scheinen also ebenfalls an der Entstehung von kreisrundem Haarausfall beteiligt zu sein.

Kreisrunder Haarausfall im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen

Auffällig ist auch, dass bestimmte Erkrankungen besonders häufig mit kreisrundem Haarausfall einhergehen. Hierzu gehören:

  • Heuschnupfen
  • Psoriasis
  • Morbus Addison
  • chronisch entzündliche Schilddrüsenerkrankungen
  • Neurodermitis
  • Lupus erythematodes
  • Vitiligo
  • allergisches Asthma (sog. Atopie)

Darüber hinaus erkrankt in etwa jeder zehnte Mensch mit Down-Syndrom im Laufe seines Lebens an kreisrundem Haarausfall. Psychische Belastungen können ebenfalls zur Entstehung von kreisrundem Haarausfall beitragen. So kommt es insbesondere in stressigen Phasen häufig zu vermehrtem Haarausfall.

Behandlungsmöglichkeiten bei kreisrundem Haarausfall

In den meisten Fällen ist kreisrunder Haarausfall gut behandelbar. So gibt es inzwischen diverse Therapiemöglichkeiten, um die Haarfollikel vor weiteren Immunreaktionen zu schützen.

Vitamin A- Säure, Cortison und UV-Licht

Bewährt haben sich bei der Behandlung von kreisrundem Haarausfall beispielsweise Lösungen oder Cremes, die stark wirksame Glukokortikoiden, wie z.B. Vitamin A-Säure Devianten oder Kortison enthalten. Die Dauer der Behandlung beträgt bis zu 3 Monate.

Oft kann aber auch schon eine örtliche Reiztherapie, z.B. in Form einer Phototherapie mit UV-Licht erfolgsversprechend sein

DCP und Thymuspeptide

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist der Einsatz so genannter Thymuspeptide (erhältlich als Tabletten, Lotionen und Shampoos), die die fehlgesteuerte Immunreaktion regulieren sollen. Ein ähnliches Ziel verfolgt auch eine medikamentöse Behandlung mit dem Wirkstoff DCP (Diphenylcyclopropenon). Hierbei werden die betroffenen Areale zunächst mit einer speziellen Lösung behandelt. Im Anschluss daran wird DCP in unterschiedlichen Konzentrationen aufgetragen. Die Behandlung erfolgt wöchentlich und wird nur in besonders schweren Fällen angewandt.

Fazit

Der kreisrunde Haarausfall ist eine der häufigsten Formen von Haarausfall und auch hierzulande weit verbreitet. Mediziner sind sich einige, dass wahrscheinlich eine Störung des körpereigenen Immunsystems für den vermehrten Verlust der Kopfhaare verantwortlich ist, wobei hier auch die Vererbung eine enorme Rolle spielt.

Grundsätzlich sollten Sie jede Art von Behandlung zunächst mit einem (Fach-) Arzt besprechen. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen verschwinden die kahlen Stellen ohne Behandlung nach 3-6 Monaten wieder. Wenn nicht, stehen Ihnen heutzutage eine Reihe an medikamentösen Behandlungsmethoden zur Verfügung. Bedenken Sie dennoch, dass kreisrunder Haarausfall oftmals in Schüben auftritt und auch erst nach mehreren beschwerdefreien Jahren wieder in Erscheinung treten kann.

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